8. April - Jugendliche im Weltsüden brauchen dringend Information, die HIV-Prävention und Aufklärung über Sexualität und Gesundheit umfasst. Dafür setzen sich die Organisationen der Fachplattform aidsfocus.ch ein und führen Projektbeispiele an. Doch Geber und Regierungen unterstützten oft nur Teilbereiche, kritisierte eine internationale Aidsfocus-Tagung in Bern.
Viera Malach/InfoSüd - Auf Jugend, Sexualität und HIV-Prävention in Entwicklungsländern hinzuweisen, bleibt für Helena Zweifel, Koordinatorin der Aidsfocus-Plattform, stets aktuell: „15- bis 24-Jährige machen fast die Hälfte aller neuen HIV-Infizierten weltweit aus. Fehlende Information über Gesundheit und Verhütung sind zudem mit ein Grund, dass viele Teeanager in Afrika bei Schwangerschaft und Geburt sterben.“ Die Mitgliedsorganisationen der Fachplattform „aidsfocus.ch“ sowie Fachleute der Weltgesundheitsorganisation WHO, der Familienplanungsorganisation IPPF und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) waren sich an der Tagung einig, dass „die Verknüpfung von HIV-Programmen mit sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten ein Schlüssel zu umfassender Gesundheit für alle ist.“
Reisebus fährt zu Schulen und auf Dorfplätze
Was sich konkret darunter verbirgt, zeigt ein Programm des Schweizerischen Roten Kreuzes in der autonomen chinesischen Region Tibet. Ein Reisebus fährt zu Schulen und auf Dorfplätze, entfaltet fünf Zelte und lässt die Frauen und Männer getrennt die Zelte durchlaufen. Eines stellt HIV-Übertragung und Risiken vor, eines sexuell übertragbare Krankheiten; ein drittes Kondome und Testmöglichkeiten, ein Zelt zeigt Familienplanung und im „No Taboo“ werden Beziehungen und Partnerschaften besprochen. Wie Sybille N’Zebo und Monika Christofori-Khadka berichten, werden die Veranstaltungen geschätzt und die Erfahrungen breit gestreut.
Das wünscht sich Beatrice Savadye, eine 24-jährige Mitarbeiterin der studentischen SAYWHAT-Kampagne in Simbabwe, Gesundheits-Aktionsgruppen aufbaut. Denn die gängige Ansicht in ihrer Heimat sei, dass sich Mädchen und Jungen nicht für Verhütung und Schwangerschaft interessieren sollen.
Zentren des Zusammenlebens und Zuhörens für Junge
In Togo hingegen ist der Staat selbst bemüht, immer mehr öffentlich-private Informationsdienste zu HIV, Aids und reproduktiver Gesundheit zu schaffen. Die „Zentren des Zusammenlebens und Zuhörens für Junge“ sind Spiel-Treffpunkte und bieten im Hintergrund Beratung an. Dazu gehören Mütterclubs, die mit Mädchen über Gesundheit, Verhütung und HIV sprechen. „Das war wichtig, damit auch junge Frauen die Zentren besuchen“, sagt Blaise Sedoh, Koordinator des Togolesischen Roten Kreuzes. Dank lokaler Partnerschaften werde die Jugend ermutigt, eigene Netzwerke zu schaffen und ihr Wissen zu multiplizieren. “Das Management der Zentren teilen sich internationale Organisationen und die drei Ministerien für Jugend, Gesundheit, Bildung“, führt Sedoh aus.
Auf Gemeindeebene oder in Basisprojekten wird deutlich, dass es wirksamer ist, Gesundheit, Familienplanung und HIV-Prävention zusammen zu behandeln. Doch Regierungen in den Entwicklungsländern wie auch Geber trennen diese drei Belange häufig voneinander. „Gesundheit, Familienplanung und HIV-Prävention sind meist unterschiedlich angesiedelt“, resümiert Aidsfocus-Koordinatorin Helena Zweifel. Auch die Finanzierung sei sehr unterschiedlich: „Im Kampf gegen Aids gibt es relativ viele Geber. Familieplanung und die sexuelle und reproduktive Gesundheit werden aber auch von den Regierungen im Süden selbst vernachlässigt, erst recht jugendfreundliche Angebote.“
Helena Zweifel fügt an, dass die DEZA-Ausgaben für Gesundheit nur einen Bruchteil des Entwicklungsbudgets ausmachen. „Lobbying für mehr Geld und für Gesundheitszusammenarbeit“, umschreibt sie die nächsten Schritte der Aidsfocus-Plattform und des Netzwerkes MMS. Zweifel ist auch Geschäftsleiterin von Medicus Mundi Schweiz (MMS), dem schweizerischen Netzwerk Gesundheit für alle, das aidsfocus als eine Dienstleistung versteht. Viele MMS-Mitglieder sind auch bei aidsfocus.ch dabei – beide verstehen sich als Austauschforen zur Stärkung der Kompetenzen und Kapazitäten zu HIV/Aids, Gesundheit und internationaler Zusammenarbeit.
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