11. Juni - Südafrika ist stolz, die Fussball-WM austragen zu können. Doch diese hat Schattenseiten wie Prostitution und Vertreibungen. Die Kirchen Südafrikas sind deshalb im Dilemma.
Viera Malach/InfoSüd und reformiert.- Dass die Fussball-WM in ihrem Land ausgetragen wird, darauf sind die Südafrikaner stolz: Die halbe Regenbogennation trägt Trikots der südafrikanischen Nationalmannschaft. Da will der Südafrikanische Kirchenrat (SACC), dem Anglikaner, Katholiken, Lutheraner, Methodisten und Reformierte angehören, nicht Spielverderber sein.
«Obwohl sich die Kirchen der zahlreichen Probleme im Zusammenhang mit der WM bewusst sind – Vertreibungen und Umsiedlungen wegen der Stadionbauten, Menschenhandel und Prostitution –, tun sie sich schwer mit koordinierten nationalen Aktionen», berichtet Boniface Mabanza, Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg. Komme dazu, dass auch die Kirchen anerkennen müssten, dass dank der WM in den Austragungsstädten «leistungsfähige öffentliche Nahverkehrssysteme» gebaut worden seien, so Mabanza. Doch es gebe sehr wohl lokale und regionale Initia-tiven gegen die Schattenseiten der WM, die teils auch vom Kirchenrat unterstützt würden.
Frauenhandel
«Nach der gewaltsamen Räumung eines Viertels von Durban wegen eines Stadionbaus organisierten die Kirchen mit den Quartierbewohnern Mahnwachen», gibt Mabanza ein Beispiel. Der katholische Befreiungstheologe findet es auch bemerkenswert, dass die Südafrikanische Bischofskonferenz den Menschen- und Frauenhandel zum Thema der Gottesdienste macht und der Regierung Heuchelei vorwirft. Denn es komme vor, dass sich auch Polizeikräfte daran bereicherten. Mit der Aktion «Red Card» wird der Frauenhandel kritisiert.
Eigentlich ist Prostitution in Südafrika illegal und wird streng bestraft. Besonders Kapstadt führt «Säuberungsaktionen» durch, harte Polizeieinsätze, von denen aber auch viele Strassenverkäuferinnen betroffen sind. Es sind ökumenische Organisationen, die sich für diese besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen engagieren.
«Um den Alltag der Leute am Rand kümmert sich auch der Diakonia Council of Churches in Durban, der sechzehn Kirchen vereint», berichtet die Theologin Pia Moser von Mission 21. Das Basler Missionswerk und DM-échange et mission in Lausanne arbeiten mit ökumenischen Initiativen wie dem Ujamaa Centre in Pietermaritzburg in der Provinz KwaZulu Natal zusammen. Es begleitet junge Arbeitslose, führte eine Mini-WM durch und leistet Gemeindearbeit.
Apartheid und Entschädigung
Über die Fussball-WM hinaus engagieren sich das Heks und zwanzig weitere Schweizer Hilfswerke, Kirchen und entwicklungspolitische Organisationen für die Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika. Sie tragen die Sammelklage der Apartheidopfer gegen Banken und Unternehmen mit. Allmählich mit gewissem Erfolg: 2009 wurde diese in New York zugelassen.
«Alle blicken nach Südafrika: Das müssen wir nutzen, um etwa den Hauptsponsor der deutschen Elf anzuprangern: Daimler/Mercedes-Benz», sagt Boniface Mabanza. Daimler habe dem Apartheidregime Unimog-LKWs geliefert, von denen aus die Gettos mit Flammenwerfern beschossen wurden. Bis jetzt ignoriert Daimler jegliche Bitte um Entschädigung. Eine Änderung dieser Arroganz wäre wohl der schönste WM-Sieg für die Township-Bewohner in ihren Wellblechhütten ohne Wasser und Strom.
Drei Links zu einem Thema
www.anstoss2010.ch ist eine Kampagne von Mission 21, DM-échange et mission und der Jugendorganisation Cevi. Sie bietet Hintergründe über Fussball und WM, das Leben in Afrika, ferner Fussballgames und Tippspielformulare.
www.fairspielt.ch ist ein Projekt der Arbeits- gruppe Nord Süd, der Plattform der beiden Werke «Fastenopfer» und «Brot für alle» sowie verschiedener Jugendverbände. Die Webseite zeigt Südafrika ausserhalb der Fussballstadien, bietet Infos, Aktionsvorschläge und Spielideen.
www.kasa.woek.de ist die Seite der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg, die aus der christlichen Antiapartheidbewegung hervor- gegangen ist und 19 Hilfswerke, Orden und Initia- tiven vereint. KASA trägt die Daimler-Kampagne mit: www.star-of-apartheid.de
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