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FIFA schweigt zu Vorwürfen der Gewerkschaften

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8.Juni - Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) hat dem Weltfussballverband FIFA mit einer Petition symbolisch die gelbe Karte gezeigt - für die Missachtung seiner sozialen Verantwortung im Rahmen der WM in Südafrika.

 

Florian Blumer/InfoSüd - Die Vertreter der Kampagne rollten einen Fussball von 4.5 Metern Durchmesser vor das Hauptgebäude der FIFA in Zürich und übergaben mehr als 13`000 Unterschriften. Damit soll ihrem Chef Sepp Blatter „die gelbe Karte gezeigt“ werden - wegen ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen, Vertreibungen von Slum-Bewohnern und Einschränkungen der Pressefreiheit.

Die FIFA reagierte ähnlich wie viele Fussballer, die sich in solchen Situation gerne abdrehen, um dem Schiedsrichter bei der Verwarnung nicht in die Augen sehen zu müssen: Sie schickte keinen Repräsentanten, um die Petition entgegenzunehmen. Die Vertreter der Kampagne mussten die Unterschriften an der Rezeption abgeben und liessen den Ball vor dem Gebäude liegen.

Keine Zeit für Menschenrechte

Die FIFA gab zu den Vorwürfen und Forderungen keinen Kommentar ab und verwies darauf, dass sich die Exekutive des Verbands in Südafrika befindet. Auf Anfrage verwies die FIFA in Südafrika darauf, dass sie sich in der „letzten Phase des Countdowns“ zur WM befindet und daher keine Stellungnahme abgeben kann.

Marco Kistler, Kampagnenmitarbeiter des SAH, meint dazu: „Wir finden es schade, dass die FIFA zwar bis zur Höhe der Grashalme oder der zulässigen Bildschirmdiagonale bei Public Viewings alles regulieren kann, für die Einhaltung der Menschenrechte aber keine Zeit findet.“ Das SAH habe während der ganzen Dauer der Kampagne keine Stellungnahme erhalten und auch zu einer vom Arbeiterhilfswerk organisierten Podiumsdiskussion habe die FIFA keinen Vertreter geschickt.

Dabei hat ihr Chef Sepp Blatter im Vorfeld der WM immer wieder betont, dass die FIFA mit ihren Ressourcen dazu beitragen werde, die „soziale Entwicklung durch Fussball“ voranzutreiben. Er propagierte dazu den Slogan „For the Game. For the World.“ (“Für das Spiel. Für die Welt”). Dies sei „unser Versprechen“, heisst es auf der FIFA-Website.

Löhne unter Existenzminimum

Das SAH spricht von „Lippenbekenntnissen“: Das Arbeiterhilfswerk prangert unter anderem die Löhne der Arbeiter auf den WM-Baustellen an. Diese betrugen umgerechnet 430 Franken pro Monat, die Gewerkschaften hatten aber 650 Franken als „Existenzminimum“ gefordert.

Die Lohnerhöhung, die ihnen nach Streiks und Verhandlungen mit den Gewerkschaften gewährt wurde, sei durch die Inflation bereits mehr als neutralisiert worden. Gleichzeitig hätten die Baukonzerne in der Zeit von 2004 bis 2008 ihre Gewinne verfünffacht.

In Brasilien soll’s besser werden

Jetzt, wo es auf das Eröffnungsspiel zugeht und die Stadien gebaut sind, liegt der Fokus der Gewerkschaften auf der Zukunft - nach der WM ist vor der WM. Und auch die nächste findet mit Brasilien in einem Land statt, in dem Menschen oft unter prekären Arbeitsbedingungen leiden.

Bereits Ende Mai haben die südafrikanischen Baugewerkschaften die internationale Kampagne „Fair Games - Fair Play“ im Johannesburger Union Stadium symbolisch an ihre brasilianischen Kollegen übergeben. SAH-Präsident Hans-Jürg Fehr forderte an dieser Veranstaltung die FIFA auf, arbeitsrechtliche und soziale Kriterien bereits im Ausschreibungsverfahren für die Stadion- und Infrastrukturbauten in Brasilien einzubeziehen.

Die Hauptforderung der Gewerkschaften lautet denn auch, dass die FIFA in Zukunft WM-Gastgeber und insbesondere Lizenznehmer, Sponsoren und Baukonsortien vertraglich in die Pflicht nimmt, die Einhaltung von Menschenrechten und minimalen Arbeitsrechten vertraglich zuzusichern.

SAH-Kampagnenmitarbeiter Kistler hat die Hoffnung trotz des Ausbleibens einer Reaktion Sepp Blatters nicht aufgegeben: „Vielleicht wird die FIFA unsere Forderungen im Hinblick auf Brasilien 2014 ja stillschweigend aufnehmen.“

Die Vorwürfe des SAH
·    Sie südafrikanische Regierung investierte umgerechnet 4.5 Mia. Franken in Infrastrukturen für die WM. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht nichts von diesen Milliarden.
·    Den 22`000 Arbeitern wurden Hungerlöhne bezahlt, während die FIFA 2 Milliarden Gewinn macht.
·    Slumbewohner und Obdachlose wurden in Camps ausserhalb der Stadt umgesiedelt, Strassenkinder und Strassenhändler von ihren Plätzen vertrieben.
·    Die FIFA unternahm den Versuch, eine kritische Berichterstattung durch die Medien zu verhindern.

Die Forderungen des SAH

·    Die FIFA soll in den Verträgen mit Gastgeberländern, Lizenznehmern und Sponsoren die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen (keine Diskriminierung, keine Kinder- und Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit) festschreiben.
·    Die beteiligten Unternehmen sollen verpflichtet werden, Existenz sichernde Löhne zu zahlen und minimale Standards der Arbeitssicherheit zu garantieren.
·    Die FIFA soll Gastgeberländer darauf verpflichten, die Menschenrechte einzuhalten. Insbesondere darf es keine Vertreibungen aus Imagegründen geben.
·    Keine Einschränkung der Medienfreiheit durch Maulkorb-Klauseln in den Verträgen für akkreditierte Journalisten.

 
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