23. Februar 2010 – Das indische Umweltministerium hat den Anbau der gentechnisch veränderten Aubergine „BT Brinjal“ untersagt. Nichtregierungsorganisationen sprechen von einer historischen Entscheidung, die das Land vor einem Artenschutz-Desaster bewahrt.
Ranjit Devraj/IPS – Umweltminister Jairam Ramesh verdiene grosse Anerkennung, sagt Devinder Sharma, ein Experte auf dem Gebiet der Nahrungssicherheit. Ramesh habe unter grossem Druck gestanden, nachdem der staatliche Ausschuss für die Anerkennung von Gentechnik (GEAC) bereits grünes Licht für BT Brinjal gegeben habe.
Hätte die Regierung am 9. Februar den grossflächigen Anbau des Gen-Gemüses genehmigt, wäre die natürliche Vielfalt an Auberginen wahrscheinlich in kurzer Zeit vernichtet worden, meint Sharma. Die Entscheidung hätte vermutlich in ganz Asien einen Dominoeffekt gehabt. "Länder wie die Philippinen und Bangladesch hatten abgewartet, um zu sehen, welchen Weg Indien gehen würde." Nun stehe die Glaubwürdigkeit von GEAC auf dem Prüfstand.
Der Ausschuss hatte zuvor bereits den Anbau von genmanipulierter Baumwolle für unbedenklich erklärt. Beide Pflanzenarten wurden durch ein Gen des Bacillus thuringiensis (BT) verändert, um sie widerstandsfähiger gegen Schädlinge zu machen. Während BT Cotton in Indien ohne grössere Aufregung eingeführt worden war, löste die Entscheidung für BT Brinjal im Oktober 2009 eine Welle von Protesten aus.
Öffentliche Anhörungen in sieben Städten
Ramesh kündigte eine Überprüfung des GEAC-Beschlusses an, nachdem auch Agrarminister Sharad Pawar und sein Kollege aus dem Wissenschaftsressort, Prithviraj Chauhan, scharfe Kritik geäussert hatten. Den eigentlichen Ausschlag für das Nein zu BT Brinjal gab jedoch der massive Widerstand der Bevölkerung bei öffentlichen Anhörungen in sieben grösseren indischen Städten.
Der Minister will den Anbau solcher Pflanzen künftig erst dann zuzulassen, wenn ein unabhängiges Komitee aus Wissenschaftlern feststellen sollte, dass dadurch auf lange Sicht keine Gefahren für Mensch und Umwelt entstehen. Auch gelte es die immense Artenvielfalt zu schützen, sagt Ramesh.
Nicht nur die Nichtregierungsorganisationen (NGO), sondern auch die Regierungen mehrerer Bundesstaaten wie Himachal Pradesh, Bihar, Westbengalen, Orissa und Madhya Pradesh protestierten gegen Gen-Auberginen. Sie warfen der Zentralregierung in Neu-Delhi vor, den Staat an internationale Konzerne wie den US-Chemieriesen Monsanto zu verkaufen. Monsanto hält das Patent an BT Brinjal und ist zudem an dem indischen Saatgutvermarkter Mahyco beteiligt.
Monsanto wirbt damit, dass bei gentechnisch verändertem Brinjal weniger Pestizide eingesetzt werden müssen. Die Schädlingen, gegen die BT Brinjal resistent ist, würden allerdings andere Arten befallen und allmählich ausrotten, erklärt Sharma, der das nichtstaatlichen Forum für Biotechnologie und Nahrungssicherheit in Neu-Delhi leitet.
Der Experte weists zudem darauf hin, dass in dem Cartagena-Protokoll über biologische Sicherheit Bedenken gegenüber genetischen Veränderungen von Nutzpflanzen in ihren Ursprungsländern geäussert werden. Das Protokoll ist ein Zusatz zu der 1992 verabschiedeten Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung, die weltweit eine bestandsfähige Nutzung der natürlichen Ressourcen garantieren soll.
Schwere Organschäden durch Gen-Gemüse befürchtet
Die Biologin Chitra Devi vom Nationalen Büro für Genetische Pflanzenressourcen (NBPGR) warnt davor, dass beim Anbau von BT Brinjal andere Auberginenpflanzen durch Kreuzbestäubung mit den Bakteriengenen verseucht würden. Dies wäre schwerlich rückgängig zu machen. NBPGR hat bisher etwa 2500 Auberginenarten konserviert.
Ärzte, die sich in dem unabhängigen Forum für Volksgesundheit zusammengeschlossen haben, lehnen BT Brinjal wegen der bisher nicht absehbaren Folgen für die menschliche Gesundheit ab. Ratten, die mit genmanipuliertem Getreide gefüttert worden seien, hätten tödliche Lungen-, Leber- und Nierenschäden erlitten, sagte die Medizinerin Mira Shiva. In Indien gebe es zudem noch keine Kontrollinstanz, die die Folgen des Konsums von Gen-Pflanzen nach deren Markteinführung überwache.
Swissaid sehr erfreut
In der Schweiz hat die auf Biodiversität pochende Entwicklungsorganisation Swisssaid den Entscheid des indischen Umweltministers begrüsst. Mit der Ankündigung eines Moratoriums reagiere die Regierung auf die breite öffentliche Kritik. Der Zulassungsstopp gilt, bis unabhängige Studien die Aubergine als unbedenklich für Mensch und Umwelt einstufen. „Swissaid, seit Jahrzehnten in Indien tätig, ist erleichtert, dass die Regierung den Interessen der Millionen Kleinbauern damit Priorität einräumt“, hielt die NGO in einer Mitteilung fest.
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