20. April - Schweizerisch-südafrikanische Ausbildungsprogramme erreichen vergleichsweise wenige arbeitslose Jugendliche in Südafrika. Sie haben jedoch Modellcharakter und eine breite Wirkung. Deshalb werden sie von der Privatwirtschaft und öffentlichen Hand unterstützt, wenn auch zögerlich.
Viera Malach/InfoSüd - Ken Duncan weilt kurz in der Schweiz auf Promotionstournee. Der Geschäftsführer der „Swiss-South African Co-operation Initiative“ SSACI, einer Treuhandgesellschaft mit Sitz in Pretoria, will hier bisherige Sponsoren halten und neue hinzu gewinnen. Rund ein Dutzend namhafte Schweizer Unternehmen beteiligen sich an den Ausbildungs- und Beschäftigungsprogrammen für benachteiligte Jugendliche in Südafrika. ABB, AfriSam (Holcim), Bühler, Schindler, Credit Suisse, UBS und Swiss Re sind darunter und zahlen zusammen eine Million Franken im Jahr und damit die Hälfte an diese privat-öffentliche Partnerschaft (PPP).
5000 benachteiligte Jugendliche haben seit der Lancierung der SSACI im Jahr 2001 eine Ausbildung erhalten, über 90 Prozent ein Diplom und davon 80 Prozent eine dauerhafte Anstellung. Sind 5000 Arbeitsplätze nicht ein Tropfen auf den heissen Stein, wo in Südafrika jährlich 800’000 Jugendliche neu auf den Arbeitsmarkt kommen? „Langsame Fortschritte sind besser als gar nichts. Ohne Beschäftigung gibt es mehr Gewalt“, kontert Duncan zu Besuch in Bern. Ein Tropfen löse Kreise im Wasser aus: Die „SSACI-Programme sind Pilotmodelle und werden in der Folge von verschiedensten Berufsbildungsinstitutionen übernommen“; betont er.
Mangel an qualifizierten Arbeitskräften
Der südafrikanischen Berufsbildung fehle der Bezug zur Praxis, erklärt Duncan. Das sei ein Erbe aus der Apartheid, die bei der Schulbildung für Schwarze bloss auf Lesen und Schreiben gesetzt habe. „Südafrikas Wirtschaft wie auch den dort tätigen Schweizer Firmen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte“, betont Duncan. Die Schweiz mit ihrem dualen Lehre-Schule-System und ihren Qualitätsansprüchen bei der Produktion habe bei der Berufsbildung viel zu bieten.
Die andere Hälfte ans Gesamtbudget trägt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) bei. Sie hat die Partnerschaft lanciert, „weil die Armutsbekämpfung nicht allein vom öffentlichen Sektor geleistet werden kann und sich in Südafrika nach der politischen Umwälzung diese Möglichkeit ergab mit Schweizer Firmen zusammen zu arbeiten“, sagt Peter Tschumi, Politikberater zu Arbeit und Einkommen.
Duncan will auch die DEZA für die weitere Unterstützung in den zwei Jahren 2011-2012 gewinnen. Sie sei nicht nur als Geberin wichtig sondern auch als erfahrene Beraterin. Mit einem Entscheid kann die SSACI schon bald rechnen. „Die Chancen stehen gut, zumal die SSACI einen bemerkenswerten Leistungsausweis hat“, bilanziert Peter Tschumi.
„In einer PPP sind sowohl die öffentlichen wie die privaten Partner bei der Aufsicht und Kontrolle der Buchhaltung sehr genau. Alle Beteiligten sind zufrieden“, resümiert auch Duncan vor DEZA-Fachleuten. Sie stellen einige kritische Fragen. Ob es nicht Konkurrenz zwischen den verschiedenen Firmen und Programmen gebe? Die SSACI setze auf Partnerschaft, erwarte Zugeständnisse und achte auf die Kohärenz der Programme.
Ein Viertel der Ausgebildeten mit HIV
Grösste Sorgen bereitet dem Ausbildungsfachmann neben der Massen-Jugendarbeitslosigkeit die hohe Ausbreitung von HIV und Aids: Rund ein Viertel der Auszubildenden werden in den kommenden zehn Jahren sterben, den Betrieben immer mehr qualifizierten Arbeitskräfte vor allem in technischen Berufen fehlen. Zur HIV/Aids-Prävention habe die SSACI besondere Workshops eingeführt, doch einige Jugendliche seien vor ihrer Ausbildung infiziert, bedauert Duncan.
Sollten zwecks breiterer Unterstützung der SSACI nicht weitere Länder wie Deutschland an der PPP beteiligt werden? Das „Branding“ von Schweizer Firmen biete einen Wettbewerbsvorteil, meint Duncan. Bei der Prüfung der Zusammenarbeit mit anderen habe es zudem Stolpersteine gegeben.
„Vor Ort hat die SSACI jedoch viele Partner aus Wirtschaft, Verwaltung und Vereinen. Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren grössere südafrikanische Unternehmen als Sponsoren zu gewinnen.“ Duncan wünscht sich, dass langfristig das Bildungs- und Arbeitsministerium Südafrikas den Anteil der DEZA übernimmt. „Grund zur Hoffnung gibt, dass trotz schleppender Bürokratie SSACI-Projekte später in Regierungsprogramme aufgenommen worden sind“.
Link SSACI
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