11. März - „Afrikas Rohstoffe stillen unseren Konsumhunger, nicht aber den Hunger in Afrika“: Mit diesen Plakaten macht die ökumenische Kampagne auf das viele Leid durch den Abbau von Bodenschätzen wie Coltan für Handys aufmerksam.
Viera Malach/InfoSüd - In mindestens jedem vierten Schweizer Handy stecken Rohstoffe aus der Demokratischen Republik Kongo. Dort werden neben Coltan auch Kupfer, Kobalt, Gold und Diamanten abgebaut. Doch der Reichtum unter dem Boden nütze der Bevölkerung kaum, stattdessen werde ihr Recht auf Nahrung buchstäblich untergraben, sagte Beat Dietschy, Zentralsekretär von Brot für alle, bei der Lancierung der ökumenischen Kampagne gestern in Bern. „Die Rohstoffe werden unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut, während Konzerne und korrupte Behörden ihre Profite ziehen“, führte Matthias Dörnenburg aus, Kampagnenkoordinator bei Fastenopfer.
Brot für alle und Fastenopfer haben in der DR Kongo viele Projektpartner, und es sind laut Dietschy die kongolesischen Kirchen, die auf das Leid der Bevölkerung durch den Rohstoffabbau hinwiesen. Die ökumenische Kampagne wolle elektronische Geräte nicht verteufeln, sondern erreichen, dass der Weg vom Rohstoff bis zum Endprodukt nachverfolgbar wird, präzisierte Dörnenburg. Die Produkte müssten unter sozialethischen Bedingungen hergestellt werden.
Glencore-Tochter unter der Lupe
Eine Studie der beiden Werke zusammen mit der südafrikanischen Bench Marks Foundation zeigt am Beispiel der Glencore International AG auf, welche fatalen Folgen der Bergbau im Kongo auf Mensch und Umwelt zeitigt. Die Glencore-Tochterfirma Katanga Mining Limited (KML) missachte internationale Arbeitsrechte und schädige die Umwelt massiv, resümierte Chantal Peyer, Entwicklungsexpertin bei Brot für alle. Die verschachtelte Konzernstruktur ermögliche zudem, Gewinne zu verschieben und Steuern zu vermeiden.
„Es ist ein Skandal, dass mit Glencore eines der grössten Schweizer Unternehmen über keine ernst zu nehmende Politik der sozialen Verantwortung verfügt“, kritisierte Peyer. Das Unternehmen mit Sitz in Baar (ZG) entgegnete auf Anfrage, der Bericht enthalte Ungenauigkeiten, und die Firma nehme ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst.
Transparenz gefordert
„Internationale Unternehmen müssen mehr Verantwortung übernehmen“, forderte indes Lucrezia Meier-Schatz, CVP-Nationalrätin und Präsidentin des Stiftungsforums des Fastenopfers. Dabei sei es notwendig, dass die Konzerne ihre Finanzflüsse für jedes Land offenlegen und auch, wie viel Geld sie an die jeweiligen Regierungen der Länder bezahlen, in denen sie tätig sind.
Transparenz über die Konzessions-Verträge und die Geldflüsse gebe es nicht, erklärte Ferdinand Muhigirwa, Direktor des kongolesischen Forschungszentrums Cepas. Die Menschen vor Ort setzten sich für ihre Rechte und Verbesserungen der Bergbaugesetze ein.
Petition lanciert
In der Schweiz fordert die ökumenische Kampagne jetzt mit einer Petition „Unternehmen müssen Menschenrechte achten“. Der Bundesrat solle für eine kohärente Aussen- und Wirtschaftspolitik sorgen und nach Möglichkeiten suchen, die Sorgfaltspflicht von Unternehmensleitungen gesetzlich zu verankern. Gerade bei transnationalen Rohstoffkonzernen, die oft in Staaten mit schwachen Regierungen oder andauernden Konflikten agieren, sei die Gefahr gross, dass sie Menschenrechtsverletzungen mitverantworten.
Begleitet wird die ökumenische Kampagne von der Aktion lokaler Bäckereien „Brot zum Teilen“, den traditionellen Suppentagen und dem Rosenverkauf am 2. April. Die Einnahmen fliessen in Projekte und Programme im Süden.
www.rechtaufnahrung.ch
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