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WEF-Auftakt mit Nominierung von Übeltätern

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11. Januar - Am Rande des World Economic Forum (WEF) werden erneut die „Public Eye Awards“ für die schlimmsten unternehmerischen Missachtungen der Umwelt und Menschenrechte vergeben. Für die Schmähpreise nominiert sind sechs Grossfirmen, darunter der Schweizer Stromversorger Axpo.

Viera Malach/InfoSüd - Für die Online-Abstimmung (auf www.publiceye.ch) hat eine Jury der beiden Nichtregierungsorganisationen Erklärung von Bern (EvB) und Greenpeace aus über 30 Nominationen die sechs „übelsten Unternehmen“ ausgewählt. Der britische Energiemulti BP, dessen Öldesaster im Golf von Mexiko elf Menschen das Leben kostete und längerfristig riesige Zonen des Ozeans abtöten werde, erhielt am ersten Abstimmungstag die meisten Negativ-Stimmen.

Mit den zweitmeisten Voten folgte die Axpo Holding AG. Die Stromversorgerin bezieht Uran aus der russischen Anlage Majak, die neben Tschernobyl als der verstrahlteste Ort der Welt gilt. Greenpeace zufolge leidet die Bevölkerung unter überdurchschnittlichen Krebsraten, Fehlgeburten und Kindern mit schwersten Behinderungen. Der Brennmaterialbezug aus Majak sei „umso stossender, als Axpo sich und seinen AKWs stets ein grünes Mäntelchen umhängt und den seinen Atomstrom als ‚sauber’ bezeichnet“, kritisieren Greenpeace und EvB.

Die Axpo ihrerseits äussert Befremden über die Nominierung für die Negativ-Awards. Die hohen Belastungswerte stammten aus Vorfällen in den 50-er und 60er Jahren, und Axpo sei am abklären, ob die Grenzwerte heute nicht eingehalten werden, hält die Firma in einer Stellungnahme fest. Allerdings gibt es Medienberichten zufolge keine unabhängig erhobene Messresultate und keine offizielle Zahlen etwa zur Belastung durch die hochgefährlichen Radionuklide Plutonium-239 und Tritium.

Den Vorwurf, sie habe Informationen verheimlicht, weist Axpo ebenfalls zurück. Die NGO hingegen betonen, die Stromversorgerin habe sich bis vergangenen Herbst in Schweigen gehüllt und die Herkunft ihrer Brennstoffe unterschlagen, derweil sie von den haarsträubenden Verhältnissen in russischen Wiederaufbereitungsanlagen profitiert habe.

Kandidaten in die „Hall of Shame“

Wegen miserablen Arbeitsbedingungen und Entlöhnung angeprangert wird weiter die taiwanesische Firma Foxconn, die Elektronik für Apple, Dell, Nokia und andere Weltmarken herstellt. Die Zustände in den gigantischen chinesischen Fabriken seien derart drückend, dass sie mindestens 18 junge Chinesen in den Selbstmord getrieben haben. Foxconn hält derzeit die drittmeisten Negativ-Voten.

Zur Wahl in die „Hall of Shame“ oder „Halle der Schande“, welche die Erklärung von Bern 2005 lanciert hat, steht auch der südafrikanische Bergbaukonzern AngloGold Ashanti. „Weil er beim Goldabbau in Ghana seit Jahren Land und Leute vergiftet“, begründet die EvB. Die finnische Neste Oil verkaufe unter der irreführenden Bezeichnung „Green Diesel“ europaweit Biosprit aus Palmöl, was in Südostasien zu Landvertreibung und Regenwaldzerstörung führe, prangern Greenpeace und EvB an.

Letzter Kandidat für die Negativ-Awards ist der US-amerikanische Zigarettenproduzent Philip Morris mit Hauptsitz in Lausanne. Er habe Klage gegen Uruguays neues Raucherschutzgesetz erhoben, was aufgrund eines Schweizer Abkommens mit Uruguay möglich sei. Dies sei ein Exempel dafür, dass die Interessen der Tabakindustrie höher gewichtet würden als die Gesundheitspolitik der Entwicklungsländer.

Unternehmensverantwortung

Die Online-Abstimmung über „die sechs skandalösesten Fälle von Grossfirmen“ läuft bis 27. Januar. Die Schmähpreise werden an einer internationalen Medienorientierung am 28. Januar in Davos „verliehen“. Dabei sollen aktuelle politische Initiativen für mehr Unternehmensverantwortung vorgestellt werden – an die Adresse des WEF selbst, das vom 26. bis 30. Januar abgehalten wird.

 
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