8. Mai - Die Ankunft der Chinesen auf dem afrikanischen Markt zwingt sowohl die Industrieländer als auch Afrika, sich selbst in Frage zu stellen. Dies zeigte eine Debatte am „Salon du livre africain“ in Genf.
Carole Vann/InfoSud - „Wenn ich eine Autobahn bauen will, brauche ich fünf Jahre, um einen Vertrag mit der Weltbank abzuschliessen. Mit China ist es in wenigen Tagen vereinbart: ich sage ja oder nein und unterschreibe.“ Auf diese Weise fasste der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade 2007 am EU-China-Gipfel die neue Allianz des Reichs der Mitte mit den afrikanischen Ländern zusammen.
Die Erdölförderung im Sudan, der Bau von Strassen und weiterer Infrastrukturen in Algerien oder Kongo, der Abbau der Minen in Sambia oder Kongo – die Beispiele sind zahlreich: Afrika ist Chinas „Far West“, wie es Michel Beuret und Serge Michel in ihrem Reportagenband „La Chinafrique, Pékin à la conquête du continent noir“ formulierten.
In den vergangenen Jahren umfassten die chinesischen Auslandinvestitionen in Afrika den Löwenanteil. Sie stiegen von 327 Mio. Euro 2003 auf 5,2 Milliarden im Jahr 2008. Der Handel nahm von 12 Milliarden Dollar 2002 auf heute 107 Milliarden Dollar zu. China wurde nach den USA der zweite Partner Afrikas.
Die ehemaligen Kolonialmächte kritisieren diese Machtzunahme, die nichts aufzuhalten scheint, und machen vor allem das mangelnde Bedürfnis des asiatischen Partners nach Einhaltung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption geltend. Aber auf welche Interessen stützt sich diese Allianz? Diese Frage war Thema einer Debatte im April am „Salon du livre africain“ in Genf.
Intransparenz und Plünderei
Für den kongolesischen Ökonomen Fweley Diangitukwa, Autor von „Les grandes puissances et le pétrole africain –USA, Chine“ sind die Chinesen heute in Afrika, weil die Kolonisatoren ihre Arbeit nicht richtig machten. Diese Sicht, die afrikanische Länder etwas zu Opfern macht, wurde ein wenig nuanciert durch den Schweizer Journalisten Michel Beuret. Nach seiner Meinung konnte sich China als Partner durchsetzen, weil es als beneidenswertes Beispiel auftrat. „Wenn die Chinesen etwas nicht haben, dann ist es eine kolonialistische Sichtweise. Die Afrikaner sind fasziniert von diesen gelben Menschen, die ankommen und sich Tag und Nacht unter denselben Bedingungen wie sie abrackern und auch auf der Strasse schlafen. Das verdient Respekt. In diesem Sinn halten sie die Chinesen nicht unbedingt für arrogant“, erläuterte Beuret. Das sei ein beträchtlicher Unterschied zu ihrer Wahrnehmung des westlichen Kolonisten. Jean-Claude Péclet, Journalist der Westschweizer Tageszeitung „Le Temps“ und Moderator der Debatte, wies darauf hin, dass China auch für Intransparenz, Korruption, nicht eingehaltene Versprechen und Plünderei von Bodenschätzen steht.
„Wenn der Westen China beschuldigt, die Bodenschätze Afrikas zu plündern, bringt das die Afrikaner zum Lachen“, meinte der Entwicklungsberater aus der Zentralafrikanischen Republik Thierry Bangui ironisch.
Aufbau der Infrastruktur
Für Thierry Bangui kann die Kritik des Westens leicht demontiert werden. Er erinnerte an das viele Geld aus Afrika, das im Westen gewaschen wird. Dieser Standpunkt wurde von Fweley Diangitukwa geteilt, der sagte, nur die westlichen Länder seien über die chinesische Präsenz in Afrika beunruhigt, während 90 Prozent der Waffen in Afrika von Mitgliedstaaten des UNO-Sicherheitsrates verkauft würden.
Michel Beuret stimmte dem zu: „Die Chinesen machen konkrete Arbeit. Sie strömen nach Afrika und bieten an, den Kontinent an die Globalisierungslokomotive anzuschliessen. Aber dafür braucht es grundlegende Infrastrukturen. Man kann kein Fleisch gefrieren ohne Kühlschrank. Die Chinesen bauen Dämme, Strassen, Brücken, elektronische Netze“. Eine konkrete Art der Entwicklungshilfe ohne sichtbare Entschädigung und mit sofortiger Wirkung.
Reale Macht
Aber kann man von einer Win-Win-Partnerschaft sprechen? „Die Chinesen haben eine Strategie gegenüber Afrika. Aber wie steht es mit der Strategie Afrikas?“, fragte Thierry Bangui. Für den kongolesischen Ökonomen besteht keine Win-Win-Beziehung. China exportiere seine Arbeitskräfte und versuche damit, seine interne Arbeitslosigkeit zu lösen. Jetzt hätten sie den Kleinhandel übernommen, der zuvor in den Händen der Afrikaner war. Die drei Gesprächsteilnehmer waren sich jedoch einig darüber, dass die Afrikaner über eine reale Verhandlungsmacht verfügen. „Die Afrikaner können ihre Interessen in den Verträgen mit den Chinesen geltend machen. Aber dazu müssen sie Verantwortung übernehmen und nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch auf gleichem Fuss verhandeln“, betonte Thierry Bangui.
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