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Weltbankdirektor Zoellick sieht das "Ende der Dritten Welt"

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15. April - Nach Ansicht von Weltbankdirektor Robert Zoellick haben die Wirtschafts- und Entwicklungsparadigmen der Vergangenheit ausgedient und Begriffe wie „Dritte Welt“ und „Nord-Süd“ ihre Existenzberechtigung verloren. Nun sei die Zeit gekommen, die neuen Realitäten anzuerkennen und die geopolitischen Veränderungen auch in den internationalen Finanzorganisationen sichtbar zu machen.

 

Jim Lobe/IPS - Der Niedergang des Kommunismus 1989 habe das Ende der 'Zweiten Welt', die Finanzkrise 2009 das Ende der „Dritten Welt“ eingeläutet, sagte Zoellick im Vorfeld der Frühjahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF), die vom 24. bis 25. April in Washington stattfinden. Die Aufteilung der Welt in einen reichen Norden und einen armen Süden ist dem Weltbankchef zufolge seit langem hinfällig. "Wir befinden uns in einer sich schnell entfaltenden multipolaren Weltwirtschaft (...), in der der Nord und Süd, Ost und West nur Punkte auf einem Kompass, nicht aber wirtschaftliche Fügungen sind", führte Zoellick aus.

"Sich die Perspektive der Entwicklungsländer anzuhören, ist nicht länger eine Frage der Barmherzigkeit oder Solidarität, sondern pures Eigeninteresse", so der Weltbankchef. "Diese Entwicklungsländer sind nun Wachstumsquellen und Importeure von Kapitalgütern und Dienstleistungen der Industriestaaten."

Auf dem Gipfeltreffen in Pittsburgh im vergangenen Jahr hatte die Gruppe der 20 (G20), auf die Anerkennung dieser neuen Realitäten gedrungen. Der G20 gehören anders als der Gruppe der Sieben (G7) einflussreichsten Industriestaaten auch wirtschaftlich starke Entwicklungsländer aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost an.

"Wenn es nicht länger möglich ist, grosse internationale Angelegenheiten ohne die Beteiligung der Entwicklungs- und Schwellenländer zu lösen, dann kann man ebenso wenig weiter davon ausgehen, dass die grössten und als BRICs bekannten (G20-) Mitgliedstaaten Brasilien, Russland, Indien und China alle anderen vertreten können", sagte er.

Flexibilität statt Behäbigkeit

Der G20 empfahl der Weltbankdirektor darauf zu achten, der Welt nicht eine neue starre Hierarchie aufzuzwingen. Stattdessen soll sie als eine Art Lenkungsausschuss für ein ganzes Netzwerk von Ländern und Institutionen fungieren, um auf diese Weise sicherzustellen, dass alle von der Weltwirtschaft profitieren.

Zoellick rennt mit seinen Äusserungen bei Organisationen, die sich seit langem für mehr Mitsprache der Entwicklungsländer gerade in den internationalen Finanzorganisationen einsetzen, offene Türen ein. "Wir stimmen vollständig überein, dass die wirtschaftlichen Entwicklung der armen Ländern im Interesse aller Staaten liegt", sagte Elisabeth Stuart von Oxfam International.

Kluft zwischen Worte und Taten

Allerdings sieht Stuart eine Kluft zwischen den Worten Zoellicks und den tatsächlichen Änderungen der Weltbank-Architektur. Erwartet wird, dass der G7-lastige Weltbank-Aufsichtsrat das gemeinsame Stimmrecht der armen Länder nur leicht – von 44 auf 47 Prozent – angehoben wird. Angenommen wird ferner, dass er einer Erhöhung des eingezahlten Kapitals um 3,5 Milliarden US-Dollar und des abrufbaren Kapitals um 58 Milliarden Dollar durch die reichsten Staaten zustimmen wird.

Nach Ansicht Stuarts sind dies richtige Schritte, die aber bei weitem nicht ausreichen. "Zoellick malt uns die Vision einer schönen neuen Welt, in der Entwicklungsländer Seite an Seite mit den reichen Ländern zusammenstehen. Doch in den internationalen Finanzinstitutionen hätten die Reichen und Mächtigen weiterhin das Sagen und bestimmten auch über Kreditvergaben und Auflagen, kritisierte sie.

Zoellicks Ausführungen sind nach Ansicht von Francis Kornegay, Wissenschaftler am Institut für den globalen Dialog in Südafrika, auch Ausdruck dafür, dass sich die USA an die neuen multipolaren Gegebenheiten anpassten. Sowohl Obama als auch Zoellick, der vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush ernannt worden ist, erkannten die Zeichen der Zeit, "dass die Schwellenländer im nationalen Eigeninteresse der USA nicht länger ignoriert werden können".

West-Ost-Verschiebung

Der Begriff „Dritte Welt“ sei schon lange ein Auflaufmodell, so der Experte. Stattdessen hätten sich Begriffe wie „Schwellenländer“ und der „globale Süden“ etabliert, die der zunehmenden Bedeutung der rasant wachsenden Volkswirtschaften und der Verschiebung der wirtschaftlichen Potenz von West nach Ost Rechnung trügen.

Zoellick wies darauf hin, dass Asiens Aktienmärkte inzwischen zu 32 Prozent an der Weltmarktkapitalisierung beteiligt sind und damit USA und EU hinter sich gelassen haben. Auch sei ihr Anteil an der Weltwirtschaft gemessen an der Kaufkraftparität von sieben Prozent vor 30 Jahren auf 21 Prozent 2008 gestiegen.

Die Entwicklungsländer insgesamt hätten ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt hinsichtlich der Kaufkraftparität von 33,7 Prozent 1980 auf 43,4 Prozent steigern können, so der Weltbankchef weiter. Er schätzt, dass die Regionen Subsahara-Afrika und Südasien in den nächsten fünf Jahren ein Wirtschaftswachstum von mehr als sechs Prozent erzielen.

"Die wirtschaftlichen und politischen tektonischen Platten bewegen sich", sagte er. "Wir können mitschwingen, oder wir können die neue Welt weiterhin durch das Prisma der alten betrachten. Wir sollten die neuen Realitäten anerkennen und handeln."

 
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