
18. Februar 2010 - Die Schweiz ist Weltmeisterin beim Kauf von «Fair Trade-Produkten». Dies hat eine internationale Umfrage ergeben. Nun zeigt eine neue Studie, dass das öffentliche Beschaffungswesen wie Gemeinden oder Kirchen noch grossen Nachholbedarf aufweisen.
Franziska Herren/InfoSüd - Produkte wie Max Havelaar Bananen oder Fair Trade-Orangensaft sind bei Schweizern Konsumenten beliebt. Eine internationale Umfrage hat Schweizerinnen und Schweizer gar als «Fair Trade-Weltmeister» bezeichnet, da das Bewusstsein rund um den fairen Handel und die Bereitschaft, mehr für fair gehandelte Produkte zu bezahlen, hierzulande besonders gross sind.
Thema «Fair Trade» überfordert
Eine von Fastenopfer und Brot für alle in Zusammenarbeit mit Partner sein durchgeführten Studie hat nun das öffentliche Beschaffungswesen unter die Lupe genommen. Sie ist dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen gelangt. «Der erste Eindruck der Umfrage vermittelt den Eindruck einer riesigen Baustelle», stellt Simonetta Sommaruga, Konsumentenschützerin und Ständerätin fest. Viele Einkäuferinnen und Einkäufer der öffentlichen Beschaffung hätten einen grossen Informationsbedarf und viele fühlten sich mit dem Thema überfordert. Ausserdem ständen Einkäuferinnen und Einkäufer oft vor dem Konflikt, ob sie ihr Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit oder die soziale oder ökologische Nachhaltigkeit richten sollen.
Fair Trade ist nicht teurer
Immerhin lassen sich in vierzehn Kantonen deutliche Tendenzen einer nachhaltigen Beschaffung ausmachen. Besonders positiv fallen die Städte Zürich und Winterthur auf, die in vielen Bereichen bereits Fair Trade-Produkte vorschreiben oder klare Kriterien für den Einkauf vorgeben. Entgegen den Vermutungen, dass Fair Trade-Produkte viel teurer seien, hat die Stadt Zürich bei der Beschaffung von fair gehandelten Produkten nur geringe Preiserhöhungen festgestellt.
In der Zentralschweiz, im Wallis sowie im Kanton Thurgau und Appenzell Innerhoden zeigt sich sogar eine klare Opposition in Bezug auf nachhaltige Kriterien im Beschaffungswesen. «Sozialpolitik ist nicht Zweck des Beschaffungsrechts», erklärt beispielsweise der Kanton Nidwalden. Andere Stimmen führen die vermeintlich höheren Kosten, die Auffassung, dass die kantonalen Kriterien genügen oder die Angst vor einer Überreglementierung ins Feld.
Leitlinien für Fair-Trade in öffentlicher Beschaffung
Im Rahmen ihrer ökumenischen Kampagne «Stoppt den unfairen Handel» wollen die beiden Werke Fastenopfer und Brot für alle Kirchgemeinden, Unternehmen und öffentliche Instanzen zu fairem Handeln auffordern. «Der Weltmarkt ist eine grosse Spielwiese, auf der sich die Mächtigen auf Kosten der Armen bereichern», sagt Antonio Hautle, Direktor von Fastenopfer an der Lancierung der Kampagne in Bern. Laut Schätzungen der UNO verlieren arme Länder aufgrund unfairer Handelsbedingengen jährlich rund 700 Milliarden Dollar – ein Betrag, der die Entwicklungshilfe-Beiträge um ein mehrfaches übersteigt.
Als Gründer von Fair Trade Organisationen wie claro und Max Havelaar weisen Fastenopfer und Brot für alle viel Kompetenz rund um das Thema «Fair Trade» auf. Für Gemeinden haben sie nun konkrete Vorschläge ausgearbeitet, welche Schritte in Richtung Fair Trade-Gemeinden führen. «Denn mittelfristig streben wir das Ziel an, dass sich politische Gemeinden und Städte zu Fair Trade-Towns erklären», sagt Beat Dietschy, Zentralsekretär Brot für alle. Mit Beispielen haben die beiden Werke auch Checklisten für die Organisation von Fair Trade-Frühstücks, -Apéros oder -Menus ausgearbeitet.
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