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Agrotreibstoffproduktion schadet Mensch und Umwelt

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18. Februar 2010 - Der Anbau von Palmölmonokulturen zur Produktion von Biodiesel bedroht nicht nur die Biodiversität sondern auch das Leben der Kleinbauern in Kolumbien. Eine ständerätliche Initiative fordert strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe in die Schweiz.

Franziska Herren/InfoSüd - Eigentlich belegt Kolumbien den zweiten Platz unter den Ländern mit der grössten Biodiversität der Erde. Rund zehn Prozent aller Tier- und Pflanzenarten breiteten sich in Kolumbien aus. «Vielfalt bedeutet Sicherheit, wenn etwa die Ernte von einem Schädling befallen wird. Und sie bedeutet Reichtum sowohl auf dem Teller als auch auf dem Sparkonto», erklärt Caroline Morel, Swissaid-Geschäftsleiterin zur Lancierung ihrer Jahreskampagne in Bern.

Dieser biologische Schatz droht nun durch den intensiven Anbau von Palmöl-Monokulturen Schaden zu nehmen. In Kolumbien wird die Pflanze auf grossen Plantagen von 100 bis 5000 Hektaren für die Produktion von Agrotreibstoffen angebaut. Die Schaffung von Monokulturen schadet aber nicht nur der Biodiversität sondern führt in Kolumbien auch zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen. Um sich von der Problematik der Produktion von Agrotreibstoffen vor Ort ein Bild zu machen, bereiste eine Schweizer Delegation von Parlamentariern auf Einladung von Swissaid die in Zentralkolumbien gelegene Provinz Sur de Bolivar.

Auftragsmörder vertreiben Kleinbauern

«Bauern haben uns berichtet, dass Auftragsmördern in die Dörfer geschickt würden, um dort die Tiere zu töten und dann der Dorfbevölkerung mit dem gleichen Schicksal zu drohen, falls sie nicht verschwänden», resümiert Nationalrat und Swissaid-Präsident Rudolf Rechsteiner. In Kolumbien sind Landkonflikte an der Tagesordnung, da nur ein kleiner Teil des Bodens anerkannten Besitzern gehört.

Viele Bauerngemeinschaften bewirtschaften seit Jahrzehnten Land, das formell niemanden, beziehungsweise dem Staat, gehört. Aus diesem Umstand rühren die gewalttätigen Auseinandersetzungen und Vertreibungen von Seiten der Grossgrundbesitzer, die ihre Monokulturen ausdehnen wollen. Mittlerweile weist Kolumbien mit 3,5 Millionen Menschen die höchste Rate an internen Vertriebenen in der westlichen Hemisphäre auf.

Die Landwirtschaftspolitik von Präsident Uribe begünstigt diese Entwicklung, indem sie die Grossgrundbesitzer fördert und diese nebst den traditionellen Exportprodukten wie Kaffee, Kakao und Fleisch zur verstärkten Gewinnung von Ölpalmen anhält. Die Monokulturen bringen aber nebst dem Problem, dass sie die Böden auslaugen auch den Nachteil mit sich, dass sie äusserst krankheitsanfällig sind. Seit rund zwei Jahren breitet sich eine Art Feuerbrand oder Palmenkrebs, wie man in Kolumbien auch sagt, aus.

Strengere Zulassungskriterien für die Schweiz?

Für den Basler SP-Nationalrat und Swissaid-Präsidenten Rudolf Rechsteiner ist klar: «Die Gewinnung von Agrotreibstoffen aus Pflanzen ist ineffizient und ausserdem kann man mit Agrotreibstoffen das Öl nicht ersetzen.» Eine von der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie eingereichte Parlamentarische Initiative fordert daher strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe. Damit trägt sie den bisher mehrheitlich negativen Erfahrungen Rechnung, die vor allem die Bevölkerung in Entwicklungsländern mit der Produktion von Agrotreibstoffen macht.


 

 

 

 

 

 

 

 
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