18. Januar - Endosulfan von Nachbarn hat die Bio-Soja brasilianischer Bauern verunreinigt und sie zusammen mit der Frauenfelder Fairtrade-Firma gebana an den Rand des Ruins gebracht. Ihr Kampf gegen die Chemikalie zeitigt erste Erfolge.
Viera Malach/InfoSüd - Die Bio-Bauern in Capanema im Süden von Brasilien und die gebana AG sind erleichtert. „Ein halbes Jahr lang war der Verkauf der Bio-Soja wegen Spuren von Endosulfan blockiert“, berichtet gebana-Geschäftsleiter Adrian Wiedmer. Nach langwierigen Abklärungen der Bio-Kontrollstellen, der EU-Kommission wie auch der niederländischen und Schweizer Importbehörden können sie ihre Soja nun zumindest als Tierfutter in Bioqualität verkaufen.
“Wenn die Endosulfan-Werte über einem Wert von 0.01Milligramm pro Kilo liegen, müssen die Bio-Bauern einzeln nachweisen, dass sie das Schädlingsbekämpfungsmittel nicht selbst eingesetzt und alles getan haben, um Verwehungen von Nachbarn zu verhindern. Die Soja darf erst nach dem jeweiligen Befund verkauft werden“, präzisiert Wiedmer. Der Aufwand für jeden der 300 Bio-Bauern sei gross, gebana habe die Abklärungen jedoch bereits gemacht.
Zuversicht bei Sanierung
Bei der Ernte 2010 waren in den 3400 Tonnen Bio-Soja mit 0.15 kg Endosulfan relativ kleine Mengen des Giftes festgestellt worden, die für die Gesundheit als unbedenklich gelten und zehn Mal geringer sind als zugelassen. Doch bereits geringste Spuren machen die Ernte als Bio-Nahrung unverkäuflich. Die Bio-Bauern in Capanema und gebana sahen sich vor dem Ruin. Der Verlust werde gegen 500'000 Euro (670'000 Franken) betragen, schätzt Wiedmer. Dies infolge der nun tieferen Verkaufspreises und der Zusatzausgaben für die Abklärungen. Zudem müsse gebana in Brasilien neu investieren.
Dennoch äussert sich Wiedmer zuversichtlich, dass die auf Versand spezialisierte Firma im 2011 „auf gesunden Füssen stehen kann“. Die Mittel werden teils durch Kunden und Einzelpersonen erbracht, teils durch Erstreckung von Darlehen. Die Bio-Soja aus Brasilien macht rund die Hälfte des gabana-Umsatzes von 10 Millionen Franken aus, die andere Hälfte erwirtschaftet gebana mit Bio-Datteln aus Tunesien und Dörrfrüchten aus Burkina Faso.
Bayer zog Produkt zurück
Sorgen bereitet zwar die nächste Ernte. Doch Wiedmer schätzt, dass die Endosufan-Werte zurückgehen oder gar verschwinden und die Bio-Soja als Nahrung statt als Futter verkauft werden kann. Ein Grund ist, dass Bayer Cropscience das Produkt Thiodan vom Markt zurückgezogen hat. Die Restbestände seien bei den Kooperativen abgeholt worden, berichtet Wiedmer.
“Hersteller aus Israel, Indien und Brasilien selbst bieten weiterhin Endosulfan an“, räumt Wiedmer ein. Gebana versuche nun, diese Verkäufe einzuschränken, indem sie die lokalen Verkäufer über das Gefahrenpotenzial des in Europa verbotenen Pestizids informiere. Sie zeige gesetzlichen Bestimmungen, wonach die Bauern vor dem Einsatz geschult werden müssten und „nicht einfach auf dem Rücken spritzen“ können. Dies sorge für Druck.
Der Druck der von Bio-Bauern lancierten Petition „Chega“ (portugiesisch „Es reicht"; Webseite“ www.chega.org ) hat dazu beigetragen, dass Brasiliens Behörden Endosulfan ab 2013 verboten haben. „Die Zulassungsbehörde ANVISA hatte ein offenes Ohr für unser Anliegen“, freut sich Wiedmer. Dass über 6000 Menschen die Online-Petition gegen das Pestizid unterschrieben haben, stärke die Bio-Bauern.
Positive Nebeneffekte
Zudem hätten sich die Fair-Trade-Konkurrenten in der Region zur Lösung des gemeinsamen Problems Endosulfan zusammengeschlossen. Die offene Information der gebana über die Probleme ihrer Bio-Soja bezeichnet Wiedmer indes als „zweischneidig“: Einerseits habe die Transparenz das Vertrauen in die Firma gestärkt, andererseits hätten grössere Abnehmer in der Schweiz mit „Hände weg“ auf die bekanntgegebenen Verunreinigungen reagiert.
"Von Bauern zu Kunden"
Die gebana AG importiert und verkauft Bio-Lebensmittel aus dem Süden ohne Zwischenhandel an die Kundschaft. Garantiert gentechnikfreie Soja von Kleinbauern aus Brasilien war das erste Produkt des 1998 gegründeten Bio&Fair-Direktversands. Es ist bis heute mit fünf Millionen Franken Umsatz das Wichtigste. Hinzu kommen Bio-Lebensmittel wie Cashewnüsse und Trockenfrüchte aus Westafrika, Datteln aus Tunesien und Olivenöl aus Palästina.
Die gebana AG geht auf die Bananenfrauen um die Frauenfelder Pfarrersfrau Ursula Brunner zurück, die in den 1970er-Jahren erste "Soldidaritätsbananen" verkauften und in der Folge die Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel (gebana) gründeten. Die Kontakte zu Kleinbauern in Lateinamerika wie auch zu Konsumenten in Europa flossen in die Arbeit der gebana AG ein.
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