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Kleinbauern besorgt über Saatgut-Monopole

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4. Juni - Lokales Saatgut und Sortenvielfalt sind für die Ernährungssicherheit sowohl in der Schweiz wie im Weltsüden zentral. Eine internationale Saatgut-Karawane durch die Schweiz zeigte auf, dass hiesige Bauern ähnliche Sorgen haben wie Klein-Produzenten aus anderen Kontinenten.

Viera Malach/InfoSüd - „Wir beobachten einen massiven Artenschwund und wollen die Vielfalt des Saatguts erhalten. Sie ist wichtig für die Pflanzengesundheit. Wir sind gegen Patente auf Saatgut und gegen Gentechnologie, weil dies die Vielfalt schmälert“, sagt Hans Rüssli vom Schweizerischen Bauernverband (SBV). Dies sei der gemeinsame Nenner der Saatgut-Karawane „jenseits jeglicher Ideologie“, betont SBV-Sprecher Rüssli.

Die Saatgut-Karawane wurd ebenso von Bio-Suisse und IP-Suisse getragen wie von der Entwicklungsorganisation Swissaid, die zu der 10-tägigen Tour auch Saatgut-Fachleute aus Afrika, Asien und Lateinamerika eingeladen hat. Von Genf über Schaffhausen und die Südostschweiz bis nach Bern, wo die Karawane mit einem „Festival der Vielfalt“ endete, haben die Landwirte und Fachleute sie auf die Risiken des Artenverlusts aufmerksam gemacht.

Tatsächlich sind 90 Prozent der Sortenvielfalt bereits von den Äckern verschwunden. Gerade noch 15 Pflanzen- und acht Tierarten liefern weltweit 90 Prozent aller Nahrung. “Nur eine breite Vielfalt auf den Feldern kann die Ernährung sichern“, betonen die Bauernorganisationen aus Nord und Süd. „Deshalb geht Saatgut uns alle etwas an.“

Zwei Drittel des Saatguts gehört Konzernen

„Ein zentrales Problem ist, dass zwei Drittel des Saatguts weltweit zehn Firmen gehören“, sagt Swissaid-Geschäftsleiterin Caroline Morel. Den Bauern und Züchtern ginge der freie Zugang zu Saatgut verloren, mit negativen Auswirkungen auch auf die Nahrung.

„95 Prozent der Mais-Pflanzen in der Schweiz sind Maishybride“, gibt auch Rüssli vom Bauernverband zu bedenken. Diese Samen sind steril und müssen jedes Jahr neu gekauft werden.

Teure Saatgut-Hybride

Im Unterschied zur Schweiz könnten sich Kleinproduzenten im Weltsüden die Hybride aus industrieller Produktion nicht leisten, stellt Morel fest. Weltweit gebe es bloss fünf grosse Züchter von Süssmais, und diese stellten ihre Sorten unter Patentschutz. Erfahrungen zeigten jedoch, dass Saatgut-Patente zu mehr Marktkonzentration, höheren Preisen und wachsenden Abhängigkeiten für Landwirte führten.

Ein weiterer Unterschied ist Morel zufolge, dass gentechnisches verändertes Saatgut im Weltsüden eingeführt werden kann, weil es in vielen Ländern keine gesetzlichen Regelungen gibt. Dies bestätigt Jorge Iran Vasquez aus Nicaragua. Die Zivilgesellschaft setze sich indes seit Jahren für einen gesetzlichen Rahmen ein, um ihr lokales Saatgut zu schützen.

Über katastrophale Erfahrungen mit der Gentechnologie berichtet der indische Agronom Gangula Ramanjaneyulu: 90 Prozent des Baumwoll-Saatgutes in Indien sei gentechnologisch verändert („Bt-Baumwolle“) und zu 95 Prozent in den Händen des Konzerns Monsanto. Eine gute Nachrichten sei hingegen, dass die nationale Koalition gegen Gentechnologie in Indien zu einem Moratorium für die Einführung von Bt-Auberginen beigetragen hat.

Einzigartiger Bio-Mais

Ein positives Beispiel ist für Biosuisse-Bäuerin Manuela Ganz die Schweizer Pionierarbeit beim Bio-Mais. Bei einem Karawanen-Halt im aargauischen Rheinau beim Bio-Saatgutunternehmen Sativa lobte sie, dass hier „das einzige Zuckermais-Saatgut in Europa“ gezüchtet wird. Dieser Mais sei den hiesigen Böden und klimatischen Bedingungen angepasst. Solches Saatgut zu besitzen, werde künftig immer wichtiger, meint auch Fanceni Henriques Baldé aus Guinea-Bissau, wo sie Ernährungsprojekte leitet.

Neben der schwindenden Artenvielfalt macht Baldé ein weiteres Problem zu schaffen: Als Folge der steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln und dem in vielen reichen Ländern knappen Boden kommt es zu Landkäufen in Entwicklungsländern. Der Druck auf Agrarflächen im Weltsüden schüre die Armut. Die Karawane steht denn auch unter dem Motto „Vielfalt gegen Hunger“.

Wie die Vielfalt erhalten werden kann, war Thema der verschiedenen Karawane-Stationen. In Freiburg etwa stand die Sortenentwicklung und Saatgutproduktion der Firma Delley DSP im Zentrum, im bündnerischen Alvaneu die Getreidevielfalt des Vereins Alpine Kulturpflanzen und im Tessin Pro Specie Rara.

„Nur wenn die verschiedenen Sorten auch bei uns in der Einkaufstasche und auf unseren Tellern landen, werden sie weiterhin produziert werden“, betont Morel. Zur Rettung der Vielfalt seien wir alle gefragt. Die Devise laute: „lokal, saisonal und wenn möglich ‚bio’ und fair einkaufen“.

 

 

 
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