30. März 2010 - Die Humanitäre Hilfe der Schweiz kommt derzeit in einer wenig beachteten Katastrophen zum Einsatz: In der Mongolei, die infolge des extrem kalten Winters um Hilfe für rund 180'000 Hirtenfamilien gebeten hat.
Franziska Herren/InfoSüd - In der Mongolei verenden infolge der aussergewöhnlichen Kälteperiode immer noch Hunderttausende ausgehungerter Tiere. Bis Ende März sind rund 4,4 Millionen Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde und Kamele erfroren, rund zehn Prozent der Tiere im Land. Da ein Drittel der drei Millionen Menschen nomadisch lebt und auf das Vieh angewiesen ist, ist die Not gross. Die Mongolei lancierte zusammen mir der UNO einen Hilfsappell, doch die Hilfe für rund 180’000 am meisten betroffenen Hirtenfamilien im dünn besiedelten Land kommt nur langsam voran.
„Viele Hirtenfamilien sind sehr deprimiert“, sagt Felix Fellmann vom Schweizer Koordinationsbüro in der Hauptstadt Ulan Bator auf Anfrage. Einige Dörfer seien ganz abgeschnitten und könnten nur per Helikopter erreicht werden. „Hilfstransporte durch den Schnee sind derzeit ein schwieriges Unterfangen“, führt der DEZA-Koordinator aus. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) beteiligt sich mit 500’000 Franken an der Humanitären Hilfe. Über Hirtenzusammenschlüsse werden rund 11’000 Hirtenfamilien mit Nahrungsmitteln und Viehfutter unterstützt. Ein Beitrag ans Welternährungsprogramm WFP steht noch in Diskussion.
„Dzud“ nennen die Mongolen die Eiseskälte mit Temperaturen bis zu Minus 50 Grad, die diesen Winter das Ausmass einer Katastrophe erreicht hat, weil sie nicht nur einzelne Regionen sondern das ganze Land traf. Die Schweiz hatte bereits nach einem Dzud im Winter 2001 Humanitäre Hilfe geleistet. Daraus sind kleinere Programme entstanden, die Zusammenschlüsse von Hirten unterstützen. Ziel ist eine nachhaltige Weidennutzung, um die Wüstenbildung zu verhindern.
Dass der extrem schneereiche Winter nun so viele Tiere dahinrafft, hängt auch mit der Übernutzung der Weiden zusammen. Der Tierbestand hat in letzten Jahren stark zugenommen, so dass sich das Vieh im Sommer nicht genügend für den Winter stärken konnte. „Die älteren und erfahrenen Nomaden, die weniger Tiere und mehr Heureserven in den Winter nahmen, kommen mit der Katastrophe besser zurecht als die jungen Hirte, die mit vielen Tieren in den Winter starteten“, resümiert Fellmann. Die DEZA-Hilfe in der Mongolei setze deshalb auch darauf, alternative Einnahmequellen für die Hirten zu schaffen.
Hilfe aus Nachbarstaaten
Die mongolische Regierung unterstützt die Betroffenen derzeit mit Heukäufen und –transporten, die angesichts der Schneeräumungen schwierig verlaufen. Die Regierung kaufte den Hirten zudem insgesamt 10’000 Tonnen Fleisch ab. Hilfe aus dem Ausland erhält das Land bisher eher spärlich. Russland schickte 57’000 Tonnen Getreide in die Mongolei, China lieferte Stromgeneratoren, Decken und Nahrungsmittel und Australien spendete eine Million Dollar.
Die UNO hat ein Hilfsprogramm gestartet, das die Betroffenen mit Nahrungsmitteln, Heizmaterial und medizinischer Hilfe unterstützt. Es entlöhnt zudem Treiber mit Bargeld, wenn sie die toten Tiere ordentlich begraben, damit die Kadaver im Frühjahr nicht zum Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung werden.
UNO-Schätzungen zufolge sind für die nächsten zwei bis drei Monate Hilfen in Höhe von sechs Millionen Dollar nötig. Ansonsten sei das Überleben von mehr als 21’000 Hirtenfamilien gefährdet, warnt die Welternährungsorganisation (FAO).
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