InfoSüd - die Presseagentur mit Weltsicht

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Start Alle ausgewählte Beiträge Ernährung Landwirtschaft Kleinbauern ernähren Milliarden Menschen – Mehr Mitsprache gefordert

Kleinbauern ernähren Milliarden Menschen – Mehr Mitsprache gefordert

E-Mail Drucken PDF

22. Februar 2010 - Die rund 500 Millionen kleinbäuerlichen Betriebe weltweit spielen eine grosse Rolle bei der Bekämpfung des Hungers. UNO-Organisationen fordern daher dringend eine stärke Einbindung der Kleinbauern in politische Entscheidungen.

Paul Virgo/IPS - "Wenn der ländlichen Bevölkerung die Gelegenheit gegeben wird, dann nimmt sie ihr Schicksal in die eigene Hand", sagte IFAD-Präsident Kanayo Nwanze am Treffen des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) in Rom. Die UNO-Sonderorganisation beging am 17. Februar das 33. Jahrestreffen ihres höchsten Organs – des Gouverneursrats.

"Wir müssen dafür sorgen, dass Kleinbauern ihre Bedürfnisse auch aussprechen", betonteder IFAD-Präsident. Angesichts der grossen Zahl dieser Bauern sei das wichtigste Anliegen die Förderung ihrer Organisationsstrukturen. Kleinbauern brauchten Hilfe bei der Bildung von Gruppen, Plattformen und Foren für interne Diskussionen und die Formulierung einer gemeinsamen Position, mit der sich an die Öffentlichkeit gehen könnten. Die Politik wiederum sei gefordert, die Anliegen der Bauern zur Kenntnis zu nehmen und zu beantworten. Entscheidend sei die Erreichbarkeit der Märkte.

Wie IFAD so brechen auch die Welternährungsorganisation FAO und das Welternährungsprogramm WFP, beides ebenfalls UNO-Stellen mit Sitz in Rom, eine Lanze für Kleinbauern. Ebenso fordert der Präsident des Weltbauernverbandes IFAP Ajay Vashee: "In der Landwirtschaft ist die wichtigste Grösse der Bauer. Er muss in die Gestaltung der Politik einbezogen werden."

Alle Landwirte und so auch die kleinen Produzenten stehen vor der Herkulesaufgabe, bis 2050 eine enorme Produktivitätssteigerung ins Werk zu setzen. In 40 Jahren muss eine Weltbevölkerung von wahrscheinlich 9,1 Milliarden Menschen ernährt werden – ein Grossteil von Kleinbauern. Vor diesen Bauern liegt die Erwartung einer 70-prozentigen Steigerung des Outputs.

Vorreiter Tansania

Mit gutem Beispiel geht die tansanische Regierung von Premierminister Mizengo Pinda voran. Sie hat im letzten Jahr das Programm 'Kilimo Kwanza' oder 'Landwirtschaft Zuerst' aufgelegt und beteiligt die Bauern heute an politischen Entscheidungen, die ihr Leben betreffen. "Jetzt werden viele Empfehlungen laut", berichtete Pinda in Rom.

Er vertrat dort auch die Auffassung, dass sich arme Länder bei der Lösung ihrer Probleme nicht allein auf die reichen Staaten verlassen sollen, sondern selbst aktiv werden müssen. Das heisse Prioritäten zu setzen, die Landwirtschaft zu fördern und der Korruption den Kampf anzusagen. Brasilien und Vietnam hätten gezeigt, das Ernährungskrisen zu bewältigen seien. "Wer den Armen helfen will, muss die Korruption ausrotten", so der tansanische Regierungschef.

Diskussion um Hilfsgelder

Ein heisses Thema auf dem IFAD-Treffen war der Umgang mit Hilfszusagen. So hat die Gruppe der acht reichsten Industriestaaten (G8) im Juli letzten Jahres 20 Milliarden US-Dollar Landwirtschaftshilfe für drei Jahre zugesichert. Kritiker haben kein Vertrauen in solche Versprechen – und dies mit Grund.

Nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom 17. Februar sind die Entwicklungshilfen seit 2004 zwar um 35 Prozent gestiegen und erreichen damit ein Rekordhoch, aber die Höhe der Zahlungen liegen um 21 Milliarden Dollar unter den Zusagen.

 

 
Presseagentur InfoSüd
Monbijoustrasse 31
Postfach 6861
3001 Bern
Tel 031 398 40 50
Fax 031 398 40 53
redaktion@infosued.ch

Themenangebote

Zu diesen aktuellen Themen können Sie vollständige Beiträge beziehen:

PORTO ALEGRE Sozialforum sucht Alternativen zur „Green Economy"
Die Bewegung der Globalisierungskritiker trifft sich in Porto Alegre unter dem Motto „Kapitalistische Krise, soziale und ökologische Gerechtigkeit“ und berät als Gegenpart zum Weltwirtschaftsforum WEF in Davos Alternativen zur gängigen neoliberalen Politik und zum Konzept der „Green Economy“. Das „Thematische Sozialforum“ (FST) zielt auf den UNO-Gipfel über Nachhaltige Entwicklung „Rio+20“ und den „Gipfel der Völker“, die im Juni in Rio de Janeiro stattfinden. (ca. 4200 Zeichen)

ARGENTINIEN Wasser ist mehr wert als Gold
In der nordwestargentinischen Provinz La Rioja protestieren derzeit Tausende Menschen gegen den geplanten Goldtagebau auf dem Famatina-Massiv. Die Produktion des Edelmetalls ist nicht nur wegen des Einsatzes von Zyanid bedenklich. Sie gefährdet auch die Wasserversorgung des Gebiets. Die Proteste in La Rioja werden vielerorts durch Solidaritätsbekundungen unterstützt, doch der zuständige Provinzgouverneur bezieht in dem Streit eine unklare Position. (4000 Z.)

SOMALIA Piraterie belebt Wirtschaft
Schiffsüberfälle haben für die somalische Wirtschaft offenbar positive Folgen. Einer britischen Studie zufolge bereichert die Piraterie am Horn von Afrika keineswegs Einzelpersonen, sondern Clans und die grossen Städte Garowe und Bosasso. Eine Lösung für das Piratenproblem könne darin liegen, den enttäuschten Bewohnern der Küstenorte Alternativen zu bieten, die mehr einbringen als die Beherbergung von Seeräubern. (ca. 4000 Z.)

JAPAN Atomanlagen für Schwellen- und Entwicklungsländer
Noch immer tritt verstrahltes Wasser aus dem havarierten Atommeiler in Fukushima aus. Zugleich setzt Japan auf den verstärkten Export von Atomanlagen für die zivile Nutzung vor allem in energiehungrige Schwellen- und Entwicklungsländer. Bewilligt ist bereits der Export japanischer Atomanlagen nach Jordanien und Vietnam. (ca. 4000 Z.)