27. Oktober – „A.T. Biopower“ gilt als Aushängeschild der Kraftwerke für erneuerbare Energien in Thailand. Reishülsen werden hier zu Energie verbrannt. Das Projekt ist für den Handel mit Kohlenstoffemissionen (CDM) zertifiziert. Doch Reishülsen enthalten bis zu 90 Prozent Silizium, das die Lungenkrankheit Silikose auslöst – und Schutzmassnahmen fehlen.
Nantiya Tangwisutijit / IPS-IFEJ - Bhorn hat in Pichit, einer Provinz im Norden des Landes, von ihrem Haus aus einen herrlichen Blick: Majestätisch fliesst der Strom Nan zur Küste, Mangobäume und Bananenstauden stehen an seinem Ufer. Weiter oben erstrecken sich feuchtgrüne Reisfelder. Dennoch können sich Bhorn, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, und ihre Nachbarn nicht recht an dem Panorama erfreuen. Sie mussten Fenster und Türen ihrer Häuser mit Brettern verbarrikadieren, um sich vor der Asche zu schützen, die aus einem ein Kilometer entfernten Biokraftwerk kommt und sie ihrer Meinung nach krank macht.
Die 22-Megawatt-Anlage gehört 'A.T. Biopower' und gilt als Aushängeschild der Kraftwerke für erneuerbare Energien in Thailand. Reishülsen werden hier zu Energie verbrannt. Das Projekt ist das erste in dem südostasiatischen Land, das gemäss dem Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) des Kioto-Protokolls für den Handel mit Kohlenstoffemissionen zertifiziert wurde.
Die Idee, die hinter dem CDM-Konzept steht, ist einleuchtend: Das Klima lässt sich nur global beeinflussen. Wo die schädlichen Kohlendioxide produziert werden, ist letztlich belanglos. Also sollen die Industriestaaten, die den Grossteil der Treibhausgase produzieren, ihre im Kioto-Protokoll festgelegten Quoten auch dadurch einhalten, indem sie beispielsweise zur Reduktion des Treibhausgasausstosses in Entwicklungsländern beitragen.
Projekte, die zur Anrechnung kommen sollen, müssen beim CDM registriert werden, dann wird für jede eingesparte Tonne CO2 ein Kreditpunkt (CER) vergeben. Die Punkte können direkt an Umweltverschmutzer verkauft werden, mittlerweile herrscht ein reger internationaler Handel. China etwa als grösster Produzent von Treibhausgasen liegt gleichzeitig mit 586 registrierten CDM-Projekten ganz vorn.
Der CDM wurde geschaffen, um den Industrienationen das Erreichen des vereinbarten Emissionsabbaus zu ermöglichen, indem sie die Reduktion in Schwellen- und Entwicklungsländern fördern. Die zertifizierten Projekte sollen den Menschen vor Ort sozial- und umweltpolitisch nützen.
Silizium, die Gefahr im Reis
Das funktioniert auch – wenn die Betreiber entsprechend vorsichtig agieren. In der Anlage in Pichit wären besondere Schutzmassnahmen erforderlich. Denn Reishülsen enthalten bis zu 90 Prozent Silizium, das als Auslöser der Lungenkrankheit Silikose in Verruf geraten ist. Sie ist weltweit die häufigste Berufskrankheit in Bereichen, in denen ohne Atemschutz gearbeitet wird. Die A.T. Biopower-Anlage ist nur eine von vielen, die in den vergangenen zehn Jahren ans Netz gegangen sind, um die Abhängigkeit Thailands von fossilen Brennstoffen zu verringern und so den Klimawandel zu stoppen.
Die Bäuerin Bhorn weiss nichts von den Umweltzielen ihrer Regierung. Allerdings fallen ihr zunehmend die ökologischen Veränderungen seit der Inbetriebnahme des Kraftwerks 2005 auf. Zunächst beobachtete die 51-Jährige einen Ertragsrückgang ihrer Reisfelder. Kaum hatte das Kraftwerk die Arbeit aufgenommen, legte sich dünner Aschestaub über die Pflanzen.
"Meine Ernten haben sich inzwischen fast wieder normalisiert", sagt sie, "aber die Gesundheitsprobleme durch den Staub sind geblieben. Verschiedene Anwohner, vor allem Kinder, haben Hautausschläge und Atemprobleme, daher halten wir Fenster und Türen geschlossen."
Ähnlich geht es vielen Dörfern, wie Supakij Nantaworakarn von der regierungsunabhängigen Stiftung für Politik für eine gesunde Gesellschaft berichtet. Er weiss von Protesten gegen Biomasse-Projekte in mindestens 20 Provinzen des Landes, wo Abfälle in Strom und Wärme umgewandelt werden. "Erneuerbare Energieträger, nicht nur die leicht verfügbare Biomasse, sind gut für Thailand", sagt er. "Jedoch muss die Regierung sicherstellen, dass die Investoren ihre Projekte verantwortungsbewusst durchführen."
Kraftwerkbetreiber geben sich fürsorglich
A.T. Biopower-Direktor Natee Sithiprasasana weiss nach eigenen Worten nichts von Gesundheitsproblemen im Zusammenhang mit seiner Anlage. Seine Firma habe sogar einen Umwelt- und Gesundheitsversicherungsfonds eigens für die Anwohner. Fünf Millionen Baht, umgerechnet etwa 100.000 Euro, heisst es auf der Website des Unternehmens, seien für Betroffene bereit gestellt, falls das Kraftwerk Schäden anrichtet.
"Selbst wenn so ein Fonds existiert, wissen wir nicht, wie wir an das Geld kommen sollen", meint dazu Bhorn. "Wir sind nur einfache Bauern. Wir wissen nicht, wie wir nachweisen könnten, dass unsere Gesundheitsprobleme durch den Staub ausgelöst werden."
Somkiat Siriratanapruk ist stellvertretender Leiter der Abteilung Berufs- und Umwelterkrankungen im Gesundheitsministerium. Er empfiehlt den Dorfbewohnern, bei seiner Abteilung Beschwerden einzureichen. Dann würden seine Mitarbeiter die Silizium-Partikel in den Lungen der Bewohner messen und die Betroffenen röntgen. So könne ermittelt werden, ob die geschilderten Symptome die einer Silikose seien.
Probleme verbreitet
Die Beispiele anderer Kraftwerke sind jedoch weinig ermutigend. In Khamsangsai in der östlichen Provinz Ubon Rachathani wehren sich mehrere hundert Dorfbewohner gegen ein Reishüllen-Kraftwerk, das inmitten der Ortschaft gebaut werden soll. Auch sie haben Angst vor Gesundheitsschäden.
Die dort lebende Aktivistin Sodsai Srangsoke ist bereits mit anderen Dorfbewohnern zum Standort eines ähnlichen Kraftwerks des Unternehmens in der benachbarten Provinz Roi Et aufgebrochen, um sich über die möglichen Folgen des Unternehmens zu informieren. In nahezu jedem Haus dort hätten ihnen die Bewohner Reishüllenasche auf den Möbeln und auf dem Boden gezeigt, das Problem bestehe seit Jahren, hätten die Menschen berichtet. Viele klagten über Atembeschwerden, die sie auf die Reismühle und das Kraftwerk zurückführten.
Obwohl die Behörden von den Problemen wüssten, bestünden sie bis heute fort. Die Betreiber seien nur bereit, medizinische Hilfe bereitzustellen, und das auch nur, wenn der Zusammenhang mit ihrem Unternehmen ärztlich bestätigt ist.
Die Menschen rund um die Mühle und das Kraftwerk in Roi Et warten bis heute auf wirkliche Hilfe. Das Unternehmen hat ihnen lediglich zugesichert, "in Staubfilter-Technologie aus Indien" zu investieren, die in den jetzt im Bau befindlichen Biomasse-Kraftwerken zum Einsatz kommen soll.
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