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Das langsame Sterben in Bhopal – Wasser auch nach 25 Jahren schwer verseucht

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3. Dezember 2009 - "Als die Blätter an den Bäumen plötzlich schwarz wurden und Vögel vom Himmel fielen, wusste ich, dass der Tod zu uns gekommen war. Mir tut es leid, dass ich überlebt habe." Mit diesen bewegenden Worten erinnert sich eine Einwohnerin der indischen Stadt Bhopal an das verheerende Chemieunglück vor genau 25 Jahren. Auch jetzt sei die Giftgefahr noch nicht gebannt, warnt ein neuer Bericht.

Chryso D'Angelo / IPS - Durch ein Leck in einem Werk des US-Konzerns 'Union Carbide' traten am 3. Dezember 1984 tonnenweise giftige Gase aus und verseuchten die Luft. Zwischen 8.000 und 10.000 Menschen starben bei der Katastrophe. Nicht nur diejenigen, die damals überlebten, sind heute chronisch krank. Nach Erkenntnissen der Nichtregierungsorganisation 'Bhopal Medical Appeal' (BMA) werden alle Leute, die noch am Ort wohnen, allmählich vergiftet.Nach der Schliessung der Fabrik seien die Fässer mit der toxischen Substanz Methylisocyanat auf dem Gelände gelassen worden, geht aus dem am 2. Dezember veröffentlichten Bericht der in Grossbritannien ansässigen Organisation hervor. Da diese Behälter undicht gewesen seien, hätten die Monsunregen die Chemikalie fortgespült. Seit Jahrzehnten verseuche die Substanz also weiterhin Böden und Wasserquellen in der Umgebung.
Verursacher der Katastrophe juristisch nicht mehr angreifbar
Den jetzigen Besitzer der Fabrik, 'Dow Chemical', kann niemand mehr juristisch belangen. Vor 20 Jahren hatte sich der Konzern vor Gericht bereit erklärt, der indischen Regierung 470 Millionen Dollar Schadensersatz zu leisten. Alle strafrechtlichen Klagen gegen das Unternehmen wurden daraufhin fallengelassen. Nach Angaben von Dow Chemical ist der Bundesstaat Madhya Pradesh seitdem rechtlich für den Unglücksort verantwortlich. Union Carbide habe damals unverzüglich und über einen längeren Zeitraum Hilfe für die Opfer bereitgestellt.
Um Bedenken der Anwohner zu zerstreuen, liess Dow Chemical das Werk kürzlich sogar für zwei Wochen wieder öffnen. Niemand solle meinen, dass dort verbliebene Chemieabfälle den Menschen und der Umwelt Schaden zufügen könnten, sagte der zuständige Minister in der Regierung von Madhya Pradesh, Babulal Gaur. Unabhängige Experten werfen den Behörden jedoch vor, der Bevölkerung falsche Tatsachen vorzuspiegeln, um die Fabrik wieder in Betrieb nehmen zu können.
"Wir haben Beweise dafür, dass ein indisches Labor, dass Wasserproben untersuchen sollte, keine korrekten Ergebnisse veröffentlicht hat", sagte Colin Toogood, einer der Autoren des Berichts, im Gespräch mit IPS. BMA habe Duplikate von drei Proben in der Schweiz testen lassen. Darin seien alle chemischen Substanzen, mit denen man gerechnet habe, gefunden worden. Für die Einwohner von Bhopal hat das schlimme Konsequenzen. Aus den vergifteten Quellen beziehen zurzeit rund 25.000 Menschen ihr Trinkwasser.
Im Mai 2004 hatte der Oberste Gerichtshof Indiens zwar angeordnet, dass die Einwohner sauberes Wasser erhalten sollten. Laut Toogood verlaufen die Leitungen jedoch direkt am Boden und werden schnell beschädigt. Das nach Bhopal gepumpte Wasser reiche daher nicht aus und sei auch von sehr schlechter Qualität.
Viele Menschen in der Gegend leiden an Krebs, Nierenschäden, Atembeschwerden, chronischem Husten, Sehstörungen, Knochenschmerzen und Fieberanfällen. Seit der Katastrophe sind auch zahlreiche behinderte Kinder zur Welt gekommen. Nach Schätzungen von BMA benötigen etwa 120.000 chronisch Kranke in Bhopal dringend ärztliche Hilfe. Jeden Monat sterben etwa zehn bis 15 Menschen an den Folgen der Vergiftungen. Die Organisation warf zudem dem 'Bhopal Memorial Hospital' vor, zahlungskräftige Patienten zu bevorzugen und anderen beispielsweise Dialysebehandlungen zu verweigern.
Bei Gedenkveranstaltungen in Bhopal, London, San Francisco und Tel Aviv versammelten sich am 2. November zahlreiche Menschen, um mit Mahnwachen und Konzerten auf die Notlage der überlebenden Opfer aufmerksam zu machen.
Gas zerstörte Augen und Lungen
Die Zeugen der Katastrophe werden ihr Leben lang nicht mehr vergessen, wie sie vor 25 Jahren mit brennenden Augen und Halsschmerzen aufwachten. "Ich hörte nachts mein Baby fürchterlich husten", schilderte Aziza Sultan in dem Bericht. "Im Halbdunkel sah ich, dass der Raum voll von weissem Rauch war. Draussen hörte ich Leute 'Lauf, lauf…' schreien. Als ich dann einatmete, war es so, als hätte ich Feuer verschluckt." Eine andere Überlebende erinnerte sich daran, wie sich manche Menschen vor Schmerz zusammenkrümmten. Andere seien mit dem, was sie am Leib trugen, einfach weggerannt.
Die Gase hätten Augen und Lungen der Opfer zerstört und ihre Nervensystem angegriffen, heisst es in einem bereits 1994 verbreiteten BMA-Report, in dem erschütternde Szenen beschrieben werden. Frauen hätten auf der Flucht ihre ungeborenen Kinder verloren, andere Menschen ihre Körperfunktionen nicht mehr kontrollieren können. Der Werksbesitzer habe sich niemals dafür interessiert, wie es den Überlebenden danach ergangen sei, klagte Sunil Kumar, der seine gesamte Familie bei dem Unglück verlor. "Sicherlich wissen alle längst, dass die Fabrik auch die nächste Generation von Menschen in Bhopal vergiftet. Niemand ist jedoch bereit, etwas dagegen zu tun."

 

 
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