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Tschadsee trocknet aus – Experten warnen vor Hungersnöten

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29. Dezember 2009 - Die Folgen des Klimawandels und übermässige Nutzung haben den Tschadsee auf knapp einen Zehntel seines ursprünglichen Ausmasses schrumpfen lassen. Experten in Westafrika warnen eindringlich davor, dass der See innerhalb der nächsten 20 Jahre vollständig austrocknen könnte.

Paul Virgo / IPS - Sollte das Gewässer verschwinden, wäre die Ernährung von rund 30 Millionen Menschen gefährdet, warnte Abdullahi Umar Ganduje von der Tschadsee-Kommission (LCBC) im Gespräch mit IPS. Der Experte rechnet mit einem erheblichen Anstieg der Armut, die in der gesamten Region gewaltsame Unruhen auslösen könnte. Bereits jetzt sei die Nahrungssicherheit in den Anrainerstaaten ein grosses Problem.
Der See, der sich zwischen 1963 und 2001 von 25.000 auf weniger als 1.500 Quadratkilometer verkleinerte, liegt am südlichen Rand der Sahara. Er grenzt an die Länder Tschad, Niger, Kamerun und Nigeria. Das Tschadseebecken erstreckt sich sogar bis in die Zentralafrikanische Republik, nach Algerien, in den Sudan und nach Libyen. Alle diese Länder sind von dem Schwund der Wasserressourcen betroffen.
Dörfer inzwischen meilenweit vom Wasser entfernt
Vor den Folgen warnte im November auch der libysche Staatschef Muammar al Gaddafi auf dem Welthungergipfel in Rom. Sollte der See austrocknen, wäre dies ein echtes Desaster, erklärte er. Einige Dörfer spüren die Konsequenzen bereits mit aller Härte. Fischer, die den Hafen früher vor der Tür hatten, sitzen inzwischen buchstäblich auf dem Trockenen und kämpfen ums Überleben. Viele Menschen seien deshalb schon in andere Teile der Region gezogen, sagte der FAO-Experte Maher Salman.
Diejenigen, die weiterhin zum Fischen auf den See hinausfahren, kehren mit halbleeren Netzen zurück. Nach Angaben der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO ist der Fischbestand im Tschadsee bereits um rund 60 Prozent gesunken. Die Artenvielfalt habe dramatisch abgenommen.
Von den Veränderungen sind auch Bauern betroffen, die auf das Seewasser angewiesen sind. Wer die Gegend nicht verlassen hat, musste die Landwirtschaft aufgeben. Vielerorts ist Weideland vertrocknet, was zu Tierfutterengpässen und Viehsterben geführt hat. Schätzungen zufolge waren die Weideflächen bereits 2006 um mehr als 46 Prozent geschrumpft.
Mitte der 90er Jahre hatte der damalige Weltbank-Vizepräsident Ismail Serageldin bereits die Befürchtung geäussert, die kommenden Kriege würden um Wasser geführt werden. Inzwischen ist es in der Tschadsee-Region tatsächlich zu wiederholten Zusammenstössen zwischen Bauern und Viehhütern gekommen, die um fruchtbares Land stritten.
Ganduje rechnet damit, dass die neuen Wanderungsbewegungen eine Zunahme der AIDS-Erkrankungen nach sich ziehen werden. Viele Menschen, die auf der Suche nach Nahrung ihre Heimat verliessen, seien mit HIV-infiziert und drohten das Virus weiter über die Region zu verbreiten. Die LCBC versucht dieses Problem nun gemeinsam mit der Afrikanischen Entwicklungsbank anzugehen.
Zu wenig Regen und zu rasche Verdunstung
Gegen die Folgen des Klimawandels haben regionale Organisationen jedoch kein effizientes Mittel parat. Ausbleibende Regenfälle und die beschleunigte Wasserverdunstung aufgrund des zunehmenden Temperaturanstiegs lassen den Pegel des Tschadsees immer weiter sinken. Ganduje ist jedoch zuversichtlich, dass sich zumindest die Nutzung der Wasserreserven begrenzen lässt. Auch der Umgang mit den Flüssen, die in den See münden, wird von der LCBC kontrolliert. Laut Ganduje achtet die Kommission darauf, dass der Bau von Staudämmen und Bewässerungssystemen nicht überhand nimmt.
Der FAO-Experte Salman plädierte dafür, die Bewässerungssysteme für Kleinbauern zu verbessern und bei den Menschen mehr Bewusstsein für den Schutz der kostbaren Ressource zu wecken. Die Pläne der LCBC, den Tschadsee mit Wasser aus dem grössten Kongo-Zufluss Oubangui aufzufüllen, wurden von der UN-Organisation allerdings eher zurückhaltend aufgenommen.
Ganduje geht davon aus, dass die Regierungen der Region den Plan unterstützen, wenn eine bereits begonnene Machbarkeitsstudie zu einem positiven Ergebnis führt. Die FAO ermahnte jedoch zu einer besonders gründlichen Überprüfung des Projekts, um nachteilige Folgen für das Kongo-Flusssystem zu vermeiden.

 

 
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