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Alternative Konferenz fordert internationales Tribunal für Klimasünder

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23. April - Die alternative Klimakonferenz im bolivianischen Cochabamba hat beschlossen, im April 2011 mit Unterstützung der Nichtregierungsorganisationen ein globales Referendum über den künftigen Klimaschutz abzuhalten. Umweltsünder sollen sich zudem vor einem „Klimatribunal“ verantworten.

Frank Chávez/IPS - An der „Konferenz der Völker zum Klimawandel und den Rechten von Mutter Erde“ vom 19. bis 22. April haben die insgesamt 35’000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 142 Ländern entschieden, dass die Abstimmenden unter anderem dazu befragt werden, ob sich die Industriestaaten stärker im Kampf gegen den Treibhauseffekt engagieren sollen und ob das Modell des Massenkonsums überholt ist.

Industriestaaten in der Pflicht

Das Abschlussdokument verlangt, dass der Anstieg der Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf ein Grad Celsius begrenzt werden müsse. Die Industrienationen sollten daher den Ausstoss ihrer klimaschädlichen Treibhausgase bis 2020 auf die Hälfte der Emissionen von 1990 zurückfahren. Die Industriestaaten wurden ferner aufgerufen, rechtlich gegen all diejenigen vorzugehen, die ihren Klimaverpflichtungen nicht nachkommen.

Gefordert wurde auch die Einrichtung eines internationalen Klimatribunals, vor dem sich Unternehmen und Einzelpersonen für Umweltvergehen verantworten sollen. Eine UNO-Reform soll nach dem Willen der Delegierten dafür sorgen, dass die Weltorganisation Länder, die ihre Emission nicht ausreichend verringern, zur Rechenschaft ziehen kann.

Die Welt erlebe eine "grosse Krise", weil 75 Prozent aller Treibhausgase von lediglich einem Viertel aller Länder verursacht würden, hiess es. Die Industriestaaten trügen somit direkt zu Dürren und Überschwemmungen bei.

Kritik am Emissionshandel

Scharfe Kritik hagelte es gegen internationale Mechanismen wie dem Emissionshandel. Er packe das Problem nicht an der Wurzel, kritisierten Teilnehmer. Die Unterzeichner der Resolution sprachen sich überdies gegen Vorhaben aus, den Schutz von Wäldern als CO2-Senken voranzutreiben. Dadurch würden die Rechte der Völker und die Souveränität der Staaten verletzt.

Die in Cochabamba versammelten Umweltaktivisten schlugen stattdessen die Einrichtung einer multilateralen Organisation vor, die über den internationalen Klimaschutz wachen solle. Klimaflüchtlingen müsse geholfen werden, die Rechte von Ureinwohnern künftig stärker respektiert werden.

Klimabeschlüsse von allen für alle

Boliviens Präsident Evo Morales, selbst Angehöriger des indigenen Volks der Aymara, hatte zu der Konferenz eingeladen, um der internationalen Zivilgesellschaft vor der UNO-Klimakonferenz im November im mexikanischen Cancún mehr Gehör zu verschaffen. "Das nächste Treffen in Mexiko darf nicht vergebens sein", sagte Morales in Cochabamba. Er hoffe, dass dort Entscheidungen von allen und für alle fielen.

Der Staatschef erklärte ferner, dass es Alternativen zum „Klimakiller Kapitalismus“ gebe. Gerechtigkeit lasse sich nur durch Solidarität, Gleichheit und Respekt gegenüber der Natur, der Atmosphäre, dem Wasser und einem neuen Entwicklungsmodell herstellen. Kapitalismus hingegen sei ein „Synonym für Ungleichheit und Umweltzerstörung", der die Menschen zu blossen Verbrauchern und Arbeitskräften degradiere.

An einem Festakt zum Abschluss der Umweltkonferenz nahm auch Venezuelas Präsident Hugo Chávez teil. Er plädierte dafür, dass die Regierungen der Mitgliedsländer des lateinamerikanischen Staatenbundes ALBA die Empfehlungen von Cochabamba in Cancún vorstellen.

 

 
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