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Arme Länder für Schweizer Industrie wenig attraktiv

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21. November 2009 - Partnerschaften der öffentlichen Hand mit der Privatwirtschaft sind in der Entwicklungszusammenarbeit zur Finanzierung von Projekten gefragt. Das Interesse der Schweizer Industrie an solchen Partnerschaften ist aber in armen Ländern eher gering.

Viera Malach / InfoSüd - Gewinnorientiert und gemeinnützig in Ländern des Südens und Ostens investieren: Das könnten kleinere Unternehmen bei fokussierten Infrastrukturprojekten durchaus erfolgreich realisieren, sagt Hans Hess, Unternehmer und Verwaltungsrat verschiedener international tätiger Firmen. Die Schweizer Maschinenindustrie habe bisher jedoch eher wenig Interesse an öffentlich-privaten Partnerschaften in Entwicklungsländern. Hess kennt die Interessen der Swissmem, der Vereinigung der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Er engagiert sich auch für Swisscontact, der von der Wirtschaft getragenen Stiftung für technische Zusammenarbeit und berufliche Bildung in Entwicklungsländern. Diese stellte in Zürich zusammen mit economiesuisse, dem Dachverband der Wirtschaft, die "Public-Private-Partnerships" (PPP) zur Debatte. Hess' Einschätzung ist persönlich.

Können Unternehmen profitabel wirtschaften und gleichzeitig öffentliche Anliegen vertreten? Sind PPP nicht grundsätzlich ein Widerspruch?

Hans Hess: Es gibt einen direkten Nutzen für beide Seiten. PPP sind etwa in Grossbritannien erfolgreich, wo Schulen oder Strassen in öffentlich-privater Partnerschaft gebaut werden. In der Schweiz haben wir diese Kultur nicht. Hier überträgt der Bund den privaten Organisationen bestimmte Aufgaben und Mittel. So führt Swisscontact etwa in Mali berufliche Aus- und Weiterbildung durch. Das ist durchaus effizient. Erfolgreich sind auch Start-ups für KMU, die Förderung des lokalen Unternehmertums.

Weshalb ist denn die Schweizer Industrie zurückhaltend?


H.H.: Für gute Partnerschaften und für grössere Investition von Schweizer Industrieunternehmen sind gewisse Voraussetzungen nötig. Es braucht politische Stabilität, um Investitionsrisiken klein zu halten, und gut funktionierende Infrastruktur: Wenn der Strom einen halben Tag ausfällt, oder die Transportwege schlecht sind, hat das Folgen auf die Produktion. Gut ausgebildete Fachleute sind ebenfalls eine wichtige Voraussetzung.

Die schwedische Industrie zum Beispiel, sie investiert in Entwicklungsländern.


H.H.: Die Konkurrenz ist nicht das Problem. Schweden hat eine staatlich getriebene Wirtschaft. Doch Schweizer Unternehmen suchen sich die Märkte selbst. Sie müssen sicherstellen, dass das Produkt dem Markt entspricht. Für die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie bilden arme Länder zu kleine Märkte. Arme Leute können sich Qualitätsprodukte nicht leisten.

Liessen sich zum Beispiel Sanitäranlagen nicht angepasster und billiger herstellen?


H.H.: Das kann für gewisse Unternehmen ein Ziel sein. Arme Länder brauchen häufig andere Produkte, und es ist halt eine ökonomische Frage, ob es sich rentiert, solche Produkte zu entwickeln und dort zu verkaufen. Investitionen lohnen sich eben dort, wo die Voraussetzungen günstig sind, wo es politische und rechtliche Stabilität, akzeptable Infrastruktur und genügend qualifizierte Fachleute gibt. In Mali etwa können Schweizer KMU auch ihr Know-how verkaufen.

In einigen Ländern Afrikas ist die politische Lage stabil. Die Schweizer Industrie will aber nach Asien und vor allem nach China expandieren, wo es immer wieder zu Unruhen kommt. Weshalb?


H.H.: Eine Firma muss sich den Standort gut überlegen und Risiken abwägen, wie ein nicht-privatisiertes Umfeld oder Verstaatlichungen. Aber die Märkte in China und auch Indien sind derart gross, dass für die Industrie die Geschäftschancen weit besser sind als in Afrika. Deshalb sind die Firmen auch eher bereit, gewisse Risiken einzugehen. Zudem werden sich immer mehr Unternehmen ethischer Grundssätze bewusst. Viele führen einen "Code of Conduct" und befolgen arbeitsrechtliche sowie Umwelt-Auflagen.

Werden solche Verhaltensnormen in asiatischen Ländern eher eingehalten als in afrikanischen?


Hess: Für unsere Unternehmen spielt es keine Rolle, wo sie produzieren. Wir setzen uns dieselben Verhaltensrichtlinien in einem afrikanischen wie in einem asiatischen Land. Mit den "Code of Conduct" verpflichten wir uns ja selbst, diese Grundwerte an allen Produktionsstandorten umzusetzen.

 
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