20. Juli - Rund ein Viertel der weltweiten Investitionen in Mikrofinanz wird von Schweizer Fondsmanagern verwaltet. Sie wollen ebenso wie die Entwicklungsagentur DEZA sicherstellen, dass diese Anlagen sozial nachhaltig sind. Mit dem Thema befasste sich eine internationale Konferenz in Bern.
Viera Malach, InfoSüd - Kleinste Ersparnisse deponieren und Kleinkredite aufnehmen: Diese Finanzdienste haben in der Armutsbekämpfung eine grosse Wirkung, wie etliche Erfolgsgeschichten in Entwicklungsländern zeigen. Nachweise für diese Wirksamkeit zu erbringen, sei für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ebenso wichtig wie für Fondsmanager und Investoren, sagte DEZA-Direktor Martin Dahinden vor den Medien Bern. Hier tagten rund 200 Mikrofinanz-Fachleute, Rating-Agenturen, Wissenschafter und Geber der Social Performance Task Force (SPTF). Der Auftrag der im UNO-Mikrofinanzjahr 2005 gegründeten SPTF lautet, soziale Standards in der Mikrofinanzbranche messbar zu machen und zu verankern.
Denn Mikrofinanz-Anleger interessierten sich für mehr Aspekte als Liquidität, Risiko und Rendite, sie wollten auch Information über Nutzen vor Ort, erklärten Klaus Tischhauser, Direktor der Anlageplattform ResponsAbility – Social Investments AG und Jean-Pierre Klump, CEO von Blue Orchard Finance. Beide sind überzeugt, dass Social-Performance-Standards die Transparenz und so auch die Glaubwürdigkeit der Anlagen erhöhen. Sowohl ResponsAbility wie Blue Orchard haben Indikatoren weiterentwickelt, die auch ein Rating der Mikrofinanz-Institutionen ermöglichen. Zudem bringt die DEZA Analyseinstrumente und Know-how ein, das sie in über 30 Jahren in ihren Partnerländern gesammelt hat.
Finanzplatz der Mikrofinanz
Das privat-öffentliche Engagement bringt komparative Vorteile: Schweizer Fondsmanager haben 2009 über 34 Milliarden Franken in nachhaltige Anlagen investiert. Davon gingen rund 1.5 Mrd. Franken in Mikrofinanz, was rund einen Viertel der weltweiten Investitionen von rund sieben Milliarden Franken ausmacht. Es sei salonfähig geworden, sozial verantwortlich zu investieren, berichten Fachleute.
Trotz der bisherigen Erfolge bei Mikrofinanz haben zwei Drittel der Menschheit immer noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen: „Vor allem ländliche Regionen sind unterversorgt, hier fehlt es an professionellen Angeboten“, betonte DEZA-Direktor Dahinden. Es gelte zudem, Produkte weiter zu entwickeln wie Versicherungen gegen Unwetterschäden oder Lebensversicherungen. In Afrika, wo die Sparkultur besonders hoch sei, müssten lokale und nationale Sparkassen gefördert werden.
Dass nun gezielt ländliche Gebiete erreicht und institutionelle Kapazitäten geschaffen werden, Frauen wie Männer gleichermassen Zugang zu Finanzdiensten erhalten sollen, darin sind sich die Fachleute der SPTF-Konferenz einig. Nun würden solche Indikatoren zu einem internationalen Regelwerk formuliert, ebenso wie gute Praktiken, führte SPTF- Koordinatorin Laura Foose aus. Die Herausforderung laute, die soziale Mission der Mikrofinanz in gute Praxis zu übersetzen.
Überschuldung vermeiden
Dazu gehört aus Sicht der Fachleute, eine Überschuldung der Klientel zu vermeiden. In einigen Ländern wie Bosien-Herzegowina, Nicaragua oder Kambodscha sei es mangels staatlicher Regulierung des Finanzmarkts zu einer eine Überhitzung des Mikrofinanzmarkts gekommen. Viele Kunden haben bei mehreren Institutionen Kredite aufgenommen und gerieten in Rückzahlungsschwierigkeiten, zumal sich infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise die Preise für Nahrung, Saatgut und Energie erhöht haben.
Abhilfe schaffen können auch hier soziale Standards und Reporting an zentrale Stellen, betonten die Mikrofinanzfachleute. Sich die Verletzlichkeit ihrer Klientel vor Augen halten und keinen Schaden anrichten, sei der Schlüssel der Social Performance, erklärte SPTF-Koordinatorin Foose. Fondsmanager wie Tischhauser, Klump und auch Melchior de Muralt, Vorsitzender des World Microfinance Forums in Genf, äusserten sich überzeugt, dass gute Akteure der Mikrofinanzbranche die Überschuldung ihrer Klientel verhindern könnten. Dies sei auch für die finanzielle Nachhaltigkeit ihrer Produkte zentral.
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